Energie
Ausländische Multis sollen Iraks Öl fördern

Die irakische Regierung hat die ersten größeren Verträge mit ausländischen Öl-Multis unter Dach und Fach gebracht. Damit will das vom Krieg gezeichnete Land sein Ziel erreichen, die Erdölproduktion binnen fünf Jahren auf täglich sechs Mio. Barrel (je 159 Liter) zu verdreifachen.

BERLIN. Experten halten diese Steigerung aber für wenig realistisch, solange die Rechtssicherheit nicht verbessert werde.Bisher ist die Verabschiedung des umstrittenen Ölgesetzes, das die Eigentums- und Gewinnverteilung an den reichen Öl- und Gasvorkommen regeln soll, am Widerstand der Opposition im Parlament immer wieder gescheitert. Ohne dieses Gesetz ist aber nur die Vergabe von Service-Verträgen gestattet, keine Förderlizenzen. Die ersten Gewinner einer internationalen Ausschreibung dieser Service-Verträge zur Ölförderung gab Ölminister Hussein Al-Shahristani in einer vom Fernsehen übertragenen Rede bekannt.

Der britische Multi BP und die chinesische CNPC bekamen die Lizenz für die Arbeiten auf dem größten irakischen Ölfeld Rumaila im schiitischen Süden. Sie setzten sich dabei gegen das mitbietende Konsortium des amerikanischen Ölriesen Exxon Mobil und Malaysias Staatsölkonzern Petronas durch.

Damit das Abkommen aber endgültig in Kraft tritt, muss es BP gelingen, die Förderkosten pro Barrel um fast die Hälfte zu reduzieren, meldete die Agentur Bloomberg. Ein BP-Sprecher gab sich zuversichtlich, dass "der Vertrag filialisiert wird".

Insgesamt geht es laut Ölminister al-Shahristani um die Vergabe von befristeten Service-Verträgen für Arbeiten auf sechs Öl- und zwei Gas-Feldern. Ihre Erschließung bringe dem Land innerhalb von 20 Jahren Gewinne von 1,7 Billionen Dollar ein. Allein die sechs Ölfelder umfassten Vorkommen von 43 Mrd. Barrel Rohöl.

Dazu hatten sich nach Behördenangaben 120 Firmen weltweit beworben. 35 davon hätten die Vorauswahl erreicht - darunter die BASF-Energietochter Wintershall, die italienische Eni, Royal Dutch Shell, die US-Firma ConocoPhillips, die russische Lukoil, die unter Saddam die Förderrechte für das Ölfeld West-Qurna 2 zugesprochen bekommen hatte, sowie die norwegische StatoilHydro.

Die zunächst auf bis zu zwei Jahre begrenzten Service-Abkommen seien "zwar nicht besonders lukrativ, doch die internationalen Unternehmen hoffen, bei künftigen Investments einen Fuß in der Tür zu haben", betont Nicole Stracke vom Gulf Research Centre, einer unab-hängigen Denkfabrik in Dubai. Dennoch öffnet der Irak jetzt die Ölindustrie zum ersten Mal seit der Verstaatlichung vor 36 Jahren und seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein in größerem Umfang für ausländische Wettbewerber. Zuvor waren nur kleinere Reparatur- und Modernisierungsverträge vergeben worden.

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