Energiepolitik
Sofia taktiert zwischen Moskau und Brüssel

Bulgarien will zur neuen Energie-Drehscheibe in Europa werden. Dafür ist der Regierung in Sofia fast jedes Mittel recht. Auf der einen Seite unterstützt sie konkurrierende Pipelineprojekte von Ost nach West, auf der anderen Seite baut sie die Atomkraft aus, um sich aus der Abhängigkeit von Russland zu lösen.

SOFIA. Im Poker um konkurrierende Energieprojekte spielt Bulgarien eine wichtige Rolle: Die Regierung in Sofia unterstützt sowohl das Gazprom-Projekt einer Pipeline für russisches Erdgas durch das Schwarze Meer (South Stream) als auch das konkurrierende Nabucco-Projekt zum Transport von Gas aus Zentralasien nach Europa.

Dabei weist Wirtschafts- und Energieminister Petar Dimitrow den Vorwurf zurück, Bulgarien behindere mit der Unterstützung von South Stream das ohnehin nur schwer zu realisierende EU-Vorhaben Nabucco: "South Stream und Nabucco werden oft als Konkurrenten dargestellt. Dabei sollte man sie als Energie-Autobahnen betrachten, die alle nutzen können und die allen nützen", sagte Dimitrow auf einem Energie-Forum in Sofia. Er forderte, dass "die großen Energieprojekte wegen der Weltwirtschaftskrise jetzt nicht verzögert werden".

Während des Streits zwischen Russland und der Ukraine über den Gastransit war Bulgarien im Januar am schlimmsten von Lieferausfällen betroffen. Tagelang kam überhaupt kein Erdgas mehr an, Industriebetriebe mussten ihre Produktion stoppen, dadurch entstanden Verluste von geschätzten 500 Mio. Euro.

Russlands Energieminister Sergej Schmatko unterstreicht, dass Gazprom seine Pipeline nach Bulgarien bis 2015 fertigstellen werde. Doch bis dahin sind noch heftigere Konflikte durchzustehen als im Fall des Baus der Nord Stream genannten Ostseepipeline. Denn Gazprom müsste die Pipeline im Schwarzen Meer entweder durch die Wirtschaftszone der Ukraine legen, die der Konzern ja eigentlich mit South Stream umgehen will, oder durch türkisches Seegebiet. Das wiederum ruft Ankara auf den Plan: Die Türkei, auch wichtigstes Transitland für Nabucco, nutze das South-Stream-Ansinnen für Nachverhandlungen beim Preis für russisches Erdgas, sagt ein an den Verhandlungen über den Pipeline-Bau beteiligter Manager. Denn die Türkei muss bisher mehr für russisches Gas bezahlen als die meisten EU-Staaten.

Doch Bulgarien und Russland sind sich in der South-Stream-Frage nicht immer grün: Premier Sergej Stanischew sprach gestern bei seinem Treffen mit Kremlchef Dmitrij Medwedjew nochmals die Differenzen an. So wolle Sofia nicht, dass für den weiteren Landtransport des über South Stream angelandeten russischen Gas das bestehende bulgarische Leitungsnetz genutzt werde. Gazprom seinerseits will aber aus Kostengründen zunächst keine neuen Landleitungen bauen. Zudem macht Stanischew klar, dass sein Land beide Leitungen - Nabucco und South Stream - will: "Bulgarien soll zur Energiedrehscheibe werden für Gas aus Russland, Zentralasien und Nordafrika." Russlands Premier Wladimir Putin hingegen ließ verlauten, die Differenzen seien nun geklärt, einem Abkommen über South Stream stünde nun nichts mehr entgegen.

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