Entführter Ingenieur
Familie von deutscher Geisel erhebt schwere Vorwürfe

Seit fünf Wochen ist der deutsche Ingenieur Rudolf Blechschmidt in der Gewalt seiner Entführer in Afghanistan: Nun ging seine Familie erstmals an die Öffentlichkeit und erhob schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung.

HB MÜNCHEN. „Unsere Bitte um ein persönliches Gespräch wurde ignoriert“, sagte die geschiedene Frau des 62-jährigen Entführten dem Radiosender Antenne Bayern. Die Angehörigen hätten bereits Briefe an Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier geschickt. „Auch mit dem Leiter des Krisenstabes habe ich bereits telefoniert“, erklärte die Ex-Frau.

Steinmeier habe in einer Rückantwort lediglich sein Bedauern ausgedrückt. „Seit fünf Wochen ist der Vater meiner Söhne bereits verschleppt, und es ist kein Ende abzusehen“, sagte die in Bayern lebende Frau.

Der Sohn des Entführten sagte dem Sender: „Obwohl wir von Anfang an wussten, dass die Entführer auch eine Lösegeld-Forderung gestellt haben, wissen wir nicht ob die Regierung eine Zahlung in Betracht zieht“, und fügte hinzu: „Vermutlich will man in Berlin Härte zeigen und weiteren Entführungen in Afghanistan vorbeugen.“

Die Familie sei sich sicher, dass es sich bei den Entführern nicht um Taliban, sondern um eine Erpresser-Bande ohne religiösen Hintergrund handle. Woher diese Information stamme, wollten die Angehörigen allerdings aus Angst um das Leben ihres Vaters nicht sagen.

Nach eigenen Angaben erhalten sie täglich einen Anruf des Bundeskriminalamtes. „Dann heißt es aber immer nur, dass die Verhandlungen zäh seien und das man uns nichts genaueres sagen könne“, berichtete der Sohn. „Wenn man als Angehöriger mit solchen Informationen abgespeist wird, fragt man sich schon, was da schief läuft.“ Die Familie sei sich sicher, dass es dem 62-Jährigen sehr schlecht gehe und dass er nicht mehr lange durchhalten werde.

In einem Appell an den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber sagte der Sohn: „Wir bitten Sie, alles Menschenmögliche zu tun, um einen Mitbürger, der in Not geraten ist, aus der Geiselhaft zu befreien. Wir sind der Situation als Familie hilflos ausgeliefert, bitte helfen Sie uns, bitte helfen Sie unserem Vater“.

Von dem vor mehr als einem Monat in Afghanistan entführten Deutschen war am Dienstagabend erneut ein Video aufgetaucht. Darin macht der 62-Jährige einen sehr geschwächten Eindruck und erklärt, dass seine Medikamente sehr bald zur Neige gingen.

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