Entführung
Befreite Geiseln bleiben noch im Jemen

Die im Jemen entführten Deutschen zeigen sich erleichtert über ihre Befreiung. Dennoch wollen sie offenbar nicht sofort nach Deutschland zurückkehren. Die deutsche Botschaft betreut die aus Kiel stammende Familie.

dpa SANAA. Die Strapazen ihrer fünftägigen Geiselhaft im Jemen hat die Begeisterung der Kieler Familie für das südarabische Land nicht zerstört. "Ich bin immer noch davon fasziniert, und meine Liebe für ihr Land ist ungebrochen", sagte Heinrich T., eine der drei ehemaligen Geiseln, in einem Interview, das vom staatlichen jemenitischen Fernsehen am Samstag ausgestrahlt wurde. Kurz nach seiner Freilassung am Freitagabend sahen er, seine Frau und seine Tochter erschöpft aus. Doch Vorbereitungen für eine schnelle Ausreise traf die Familie aus Kiel nicht. Nach den Worten von Heinrich T. will seine Tochter, die sich im Jemen seit zehn Jahren als Architektin im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) um den Erhalt historischer Gebäude bemüht, ihre Arbeit in der Hauptstadt Sanaa noch bis zum Sommer fortsetzen.

Er selbst habe den Jemen bereits zehnmal besucht, sagte Heinrich T. Dies werde aber wohl seine letzte Reise in das arabische Land gewesen sein. "Der Grund, weshalb ich nicht mehr wiederkommen werde, ist, dass meine Tochter Mitte nächsten Jahres (ihre Arbeit) im Jemen beenden wird", erklärte er. Ein Sprecher des Innenministeriums in Sanaa hatte zuvor bereits gesagt, die drei Deutschen hätten am Freitagabend bei ihrer Ankunft im Ministerium erklärt, sie hätten immer noch "Respekt für den Jemen und seine Bevölkerung". Innenminister Mutaher al-Masri hatte sich bei Julia T. und ihren Eltern, Heinrich und Rosemarie T., zuvor im Namen von Volk und Regierung für die Geiselnahme "entschuldigt".

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wird die Familie derzeit von der deutschen Botschaft in Sanaa "nachbetreut". Zum Aufenthaltsort äußere man sich aber in solchen Fällen grundsätzlich nicht, sagte eine Ministeriumssprecherin am Samstag in Berlin auf die Frage nach der Rückkehr der Freigelassenen nach Deutschland. Die drei Deutschen waren am Sonntag vergangener Woche während eines Ausflugs entführt und von bewaffneten Stammesangehörigen in ein Bergdorf verschleppt worden. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung von zwei inhaftierten Angehörigen und eine finanzielle Entschädigung für ein unvorteilhaftes Grundstücksgeschäft. Nach Angaben der Vermittler ließen sie die Geiseln am Freitag frei, nachdem sie das Versprechen erhalten hatten, dass man ihre Forderungen weitgehend erfüllen werde.

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