Entführung und Drohung
Islamisten schießen sich auf Deutschland ein

Deutschland gerät offenbar immer stärker ins Visier von islamistischen Gruppen: Nicht nur, dass ein Video der vor einem Monat im Irak entführten Deutschen aufgetaucht ist, in der diese um ihr Leben flehen. Auch gibt es die Drohung, sollten Deutschland und Österreich nicht ihre Truppen aus Afghanistan abziehen, könnte es zu Anschlägen in beiden Ländern kommen.

HB DUBAI/BAGDAD. Die Zusammenarbeit mit US-geführten Truppen könnte Anschläge provozieren, erklärte am Samstag die Islamistengruppe, die sich selbst „Stimme des Kalifat Kanal“ nennt. Die Video-Botschaft wurde auf derselben Web-Seite veröffentlicht, auf der zuvor die Entführer der beiden im Irak verschleppten Deutschen ebenfalls ein Abrücken der Soldaten gefordert hatten. Sollte der Abzug nicht binnen zehn Tagen beginnen, erklärten die Entführer, würden die beiden Deutschen getötet.

„Warum solltest Du (Deutschland) all diese wirtschaftlichen Interessen gefährden wollen für das Wohl von Bush und seiner Bande“, sagte die Stimme im Video auf Arabisch. „Ist es nicht dumm, die Mudschahedin zu ermutigen, Anschläge in eurem Land zu verüben?“ In Österreich sei der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig, fügte der Sprecher hinzu. Das könne sich jedoch ändern, wenn das Land Ziel eines islamistischen Anschlages werde. „Österreich hat kein Interesse an solch einem Krieg, der ein Krieg zwischen den Mudschahedin und Amerika ist und denen, die sich selbst dort einreihen“, erklärte die Stimme weiter. Die Web-Seite wird häufig von Extremisten zur Verbreitung ihrer Botschaften benutzt, auch vom Terror-Netzwerk El Kaida.

Das Auswärtige Amt in Berlin wollte die Meldung am Samstagabend nicht kommentieren. Der Bundestag hatte am Freitag der Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes durch die Entsendung von sechs deutschen Aufklärungstornados und 500 Soldaten zugestimmt. Derzeit sind rund 3 000 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert.

Österreich, das einem Sprecher des Verteidigungsministers zufolge lediglich fünf Offiziere in Afghanistan stationiert hat, leitete umgehend Schutzmaßnahmen ein. Die Stabsoffiziere seien angewiesen worden, den Bereich des Hauptquartiers der Internationalen Friedenstruppe ISAF nicht zu verlassen. „Das Video wird ausgewertet, mehr kann ich derzeit dazu auch nicht sagen“, erklärte der Sprecher. Das österreichische Innenministerium sprach von einer sehr „abstrakten“ Bedrohung, wie es sie „leider öfter“ im Internet gebe. Österreich ist wie Deutschland seit 2002 in Afghanistan mit Soldaten vertreten. Das derzeitige Mandat läuft bis Ende des Jahres und dann entscheidet der Ministerrat über eine mögliche Verlängerung.

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