Erdogan warnt Papst Franziskus
Streit über „Unsinn“ in der Armenierfrage

Papst Franziskus spricht von einem „Völkermord“ an den Armeniern. Der türkische Präsident Erdogan warnt ihn davor, diesen „Unsinn“ zu wiederholen. Für mehr Ärger könnte auch ein Auftritt von Bundespräsident Gauck sorgen.
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Ankara/BerlinVor dem 100. Jahrestag des Beginns der Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich eskaliert der Streit über die Bezeichnung der Massaker als „Völkermord“. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte Papst Franziskus davor, die Ereignisse im Ersten Weltkrieg ein weiteres Mal als Genozid zu bezeichnen. An diesem Mittwoch stimmt das EU-Parlament über eine Resolution ab, die dazu aufruft, sich „dem Gedenken an den 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern“ anzuschließen.

Auch zwischen Deutschland und der Türkei droht Streit. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz teilten mit, die christlichen Kirchen in Deutschland wollten zusammen mit Bundespräsident Joachim Gauck an die Gräueltaten an Armeniern vor 100 Jahren erinnern. Offiziell laden die Kirchen zu einem Gottesdienst zur Erinnerung an den „Völkermord an Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen“ im Osmanischen Reich ein.

Papst Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern in einer Messe am Sonntag als „ersten Völkermord im 20. Jahrhundert“ bezeichnet. „Ich möchte ihn dafür rügen und warnen“, sagte Erdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag in Ankara. „Der geehrte Papst wird diese Art von Fehler höchstwahrscheinlich nicht wieder begehen.“ Erdogan fügte hinzu: „Wenn Politiker und Geistliche die Arbeit von Historikern übernehmen, dann kommt dabei nicht die Wahrheit, sondern so wie heute Unsinn heraus.“

Die Türkei lehnt es als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs strikt ab, von Genozid zu sprechen. Den Gräueltaten waren nach armenischen Angaben 1,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die Türkei geht von deutlich weniger Toten aus. Armenier gedenken am 24. April der Massaker an ihrem Volk vor 100 Jahren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Erdogan warnt Papst Franziskus: Streit über „Unsinn“ in der Armenierfrage"

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  • Auch deutsche Politiker weigern sich den Völkermord so uzu benenne. Man hat den Eindruck, er wird immer noch unterstützt. Eine berliner Senatorin Kolat weigert sich sogar hier Stellung zu beziehen! Die Täter waren ja keine Deutschen, die man verantwortlich machen kann!

  • Na ja, Völkermord oder nicht, Unsinn ist es jedenfalls nicht. Wikipedia schreibt:Die Armenier wurden im Osmanischen Reich schon 1894 bis 1895 und 1909, besonders aber von 1915 bis 1918 verfolgt. Zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen fielen im Ersten Weltkrieg dem Völkermord zum Opfer.

    Auch später ging es weiter:

    Während der landesweiten staatlich inszenierten Pogrome gegen nichtmuslimische Minderheiten in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1955 durch die Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes wurden neben Griechen, Juden und Aramäern auch Armenier Opfer.

    Erdogan redete und erwiderte schnell. Schon Alexander Eilers sagte: "Wer viel redet, redet viel Unsinn".

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