Eroberung von Palmyra
IS in Syrien weiter auf dem Vormarsch

Der Islamische Staat nimmt die syrische Oasenstadt Palmyra ein und tötet dabei 17 Menschen. Die Bewohner bleiben aus Angst in ihren Häusern. Experten zufolge öffne die Eroberung den Weg nach Damaskus und Homs.
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DamaskusNach neuntägigen Kämpfen hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) am Donnerstag die gesamte syrische Oasenstadt Palmyra einschließlich ihrer einzigartigen antiken Stätten eingenommen. Syriens Armee rückte nach Angaben der Regierung in Damaskus von allen Stellungen in Palmyra und Umgebung ab, womit die Islamisten nun fast halb Syrien kontrollieren. Aktivisten zufolge richtete der IS nach der Einnahme 17 Menschen hin, darunter auch Zivilisten.

„Die IS-Kämpfer sind in allen Teilen von Tadmur, auch nahe der archäologischen Stätte“, sagte der Chef der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur AFP unter Verwendung des arabischen Namens der Stadt. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien, ihre Angaben sind aber von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die regierungstreuen Truppen seien nach dem Vorstoß einer „großen Zahl von IS-Terroristen“ aus der Stadt abgerückt. Der Beobachtungsstelle zufolge gaben die Soldaten auch Stützpunkte des Militärgeheimdienstes in der Wüste sowie den Militärflughafen und das Gefängnis der Stadt auf. Abdel Rahman zufolge zogen sich die meisten Soldaten nach Homs zurück, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, zu der auch Palmyra gehört.

Der französische Syrien-Experte Fabrice Balanche hob die strategische Bedeutung der Wüstenstadt hervor: „Die Einnahme Palmyras öffnet den Weg nach Damaskus und Homs“, sagte Balanche. Der Einmarsch in die Stadt an der Schnittstelle wichtiger Verbindungen in der Region ermöglicht es dem IS laut der Beobachtungsstelle, über die Hälfte des syrischen Staatsgebietes zu kontrollieren.

US-Präsident Barack Obama sagte indes, er mache sich trotz der jüngsten Gebietsgewinne der Islamisten in Syrien und dem Irak keine Sorgen, dass der Kampf gegen den IS „verloren“ werde. Allerdings sei eine bessere und schnellere Ausbildung sunnitisch-irakischer Truppen notwendig, sagte Obama.

Anhänger der Dschihadisten sollen laut Rahman nach der Einnahme der Stadt mindestens 17 Menschen hingerichtet haben, darunter regimetreue Kämpfer, aber auch Zivilisten. Mindestens vier Menschen sollen dabei enthauptet worden sein. Rahman sagte, die Zivilisten hätten für einen örtlichen Verwaltungsrat gearbeitet und seien vom IS der Zusammenarbeit mit der Regierung beschuldigt worden.

Ein syrischer Aktivist teilte AFP mit, der IS habe die Bewohner Palmyras angewiesen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Die Dschihadisten durchkämmten nun die Wohngebiete auf der Suche nach Anhängern Assads. Nach den Hinrichtungen trauten sich viele Menschen demnach nicht mehr auf die Straße, um möglicherweise aus der Stadt fliehen zu können.

Die Unesco-Generaldirektorin Irina Bukova forderte die internationale Gemeinschaft, den UN-Sicherheitsrat und religiöse Würdenträger in einer Videobotschaft auf, sich für ein Ende der Gewalt, einen sofortigen Waffenstillstand und einen Abzug aller militärischen Kräfte einzusetzen. Die Zerstörung der über 2000 Jahre alten Stadt müsse unbedingt verhindert werden. Die Stadt mit ihrer griechisch-römischen und persischen Baukunst sei ein Sinnbild für die gegenseitige Bereicherung der Kulturen und gehöre der gesamten Menschheit.

IS-Kämpfer hatten zuvor unter anderem in den antiken irakischen Ruinenstädten Nimrud und Hatra schwere Verwüstungen angerichtet. Gemäß der extremen Auslegung des Islam durch die sunnitischen Dschihadisten sind Gottesbilder und Heiligengräber verboten, da nichts außer Allah selbst angebetet werden dürfe.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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