Erpressungvorwürfe gegen G-4-Gruppe
Indien attackiert Italien

Italien gerät nach seinen Erpressungsvorwürfen gegen die G-4-Gruppe bei den Vereinten Nationen immer stärker in die Kritik. Jetzt reagierte auch die indische Regierung und bestellte den italienischen Botschafter in Neu Delhi ein. Rom lieferte indes die Gründe für die Querschläge gegen Deutschland, Indien, Brasilien und Japan: Italien will auch einen Sitz im UN-Sicherheitsrat.

HB NEU DELHI. Die indische Regierung übergab dem Botschafter eine Protestnote, sagte Außenamtssprecher Navtej Sarna. Mit dem Schreiben wolle Indien seine Überraschung und ihr tiefes Bedauern über die „schwer wiegenden und vollkommen haltlosen Anschuldigungen“ ausdrücken, die der italienische UN-Botschafter Marcello Spatafora am Dienstag geäußert hatte.

„Wir würden erwarten, dass die Regierung von Italien sich von den Bemerkungen ihres Botschafters distanziert, die gegen jede Norm im diplomatischen Umgang verstoßen“, so Sarna weiter. Spatafora hatte der Vierergruppe Deutschland, Indien, Japan und Brasilien Erpressung im Zusammenhang mit der angestrebten Reform des UN-Sicherheitsrats vorgeworfen. Die G4 hätten armen afrikanischen Ländern gedroht, die Entwicklungshilfe zu kürzen, sollten diese nicht für das von ihnen vorgeschlagene Reformodell stimmen, hieß es.

Mit Nachdruck hatten bereits Deutschland und Japan die Behauptungen der Italiener zurückgewiesen. Japan erklärte zudem indirekt, es werde seine UN-Beiträge zurückschrauben, sollte das Land keinen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat bekommen.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi machte unterdessen erstmals eigene Ansprüche seines Landes an einem ständigen Sicherheitsratsitz deutlich: Falls der Sicherheitsrat erweitert wird, werde Italien dabei sein. „Italien wird nicht außen vor bleiben“, sagte er in Rom. Berlusconi hatte sich bislang zu dem Thema zurückgehalten.

Italien sperrt sich seit Monaten vehement gegen ein Projekt der G-4-Gruppe aus Deutschland, Indien, Brasilien und Japan zur Reform des höchsten UN-Gremiums. Demnach soll der Rat von derzeit 15 auf 25 Mitglieder erweitert werden, davon sechs weitere ständige Sitze. Für Italien ist in diesem Plan kein ständiger Sitz vorgesehen.

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