Erste Plünderungen
Versöhnungsprozess im Sudan durch Politiker-Tod belastet

Der frühere Rebellenchef John Garang ist knapp einen Monat nach seiner Ernennung zum sudanesischen Vizepräsidenten bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Sein Tod lässt Befürchtungen aufleben, die Aussöhnung in dem afrikanischen Land könne nach rund zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg gefährdet werden.

HB KHARTUM. In der Hauptstadt Khartum zogen am Montag Augenzeugen zufolge Tausende Südsudanesen plündernd und randalierend durch die Straßen. „Wir sind überzeugt, dass das Friedensabkommen weiter bestehen wird wie geplant ...“, sagte hingegen Präsident Omar Hassan al-Baschir. Auch Garangs Bewegung SPLM erklärte, den Frieden wahren zu wollen.

Das Unglück habe sich in der Nacht zum Sonntag auf der Rückreise Garangs aus dem benachbarten Uganda ereignet, erklärte das Präsidialamt. Auch sechs der Mitreisenden sowie sieben Besatzungsmitglieder seien getötet worden. Über die genaue Absturzursache herrschte zunächst Unklarheit. Es wurde vermutet, dass der Hubschrauber von schlechtem Wetter überrascht wurde. Zudem gab es Spekulationen, wonach der Treibstoff ausgegangen sein könnte.

Garang hatte die Rebellen im christlich-geprägten Süden angeführt, die sich gegen die Einführung des islamischen Rechts durch die Zentralregierung in Khartum wandten. Seit Beginn des Bürgerkriegs 1983 kamen rund zwei Millionen Menschen ums Leben. Erst im Januar war nach jahrelangen Verhandlungen ein Friedensvertrag zwischen den verfeindeten Parteien erreicht worden. Am 9. Juli hatte Garang dann als Geste der Aussöhnung das Amt des Ersten Vize-Präsidenten übernommen. Bis zum 9. August sollte er zusammen mit Al-Baschir eine neue Regierung bilden.

Al-Baschir rief für den verunglückten Garang eine dreitägige Staatstrauer aus. Zugleich forderte er Garangs Volksbefreiungsbewegung SPLM auf, schnell einen Nachfolger zu berufen und die Geschäfte in seinem Sinne weiterzuführen. In einer Erklärung der SPLM hieß es: „Wir ... werden seine (Garangs) Vision von einem friedlichen Sudan fortführen. Wir möchten jedem versichern, dass die Führung der SPLM/SPLA vereint bleibt und eine vollständige Umsetzung des Friedensabkommens anstrebt.“

Ungeachtet dieser Friedensbekundungen kam es in Khartum offenbar zu gewaltsamen Ausschreitungen. Augenzeugen berichteten, dass Unterstützer von Garang Menschen angriffen, sich Gefechte mit der Polizei lieferten und Geschäfte plünderten. „Sie schlagen auf jeden ein, der arabisch aussieht.“ Auch von Schüssen wurde berichtet. In der südlichen Stadt Juba, die nahe dem früheren Rebellengebiet liegt, hätte es ebenfalls Krawalle gegeben, berichtete ein Geistlicher.

Beobachter sehen die Lage im Sudan nun kritisch, da Garang die Bewegung aus SPLA und SPLM fest zusammengehalten habe. „Im schlimmsten Fall wird es nun einen Krieg der Südsudanesen gegen die Südsudanesen geben“, sagte ein der SPLM nahe stehender Vertreter. „Im optimalen Fall könnten wir aber auch eine demokratische Entwicklung der SPLM sehen, die in den Augen vieler Menschen momentan eher einer Diktatur gleicht.“

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