Etwa 50 Verletzte
Erster Selbstmordanschlag seit Gaza-Räumung

Beim ersten palästinensischen Selbstmordanschlag nach der Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen sind am Sonntag etwa 50 Israelis verletzt worden. Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz auf dem zentralen Busbahnhof der Wüstenstadt Beerschewa, wie die Polizei mitteilte.

HB TEL AVIV. Zwei von einem Busfahrer alarmierte Wachleute, die bei der Explosion selbst schwere Verletzungen erlitten, hatten sich ihm in den Weg gestellt und so ein schlimmeres Blutvergießen verhindert. Der Zustand des einen Wachmanns war am Sonntagabend kritisch.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Bluttat und forderte die Extremistengruppen und Israel zur Mäßigung auf. „Ruhe und ein Schweigen der Waffen sind im Interesse beider Völker und im Interesse des Friedensprozesses“, erklärte er. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, der Anschlag sei „ein weiterer Beweis dafür, dass die palästinensische Autonomiebehörde geeignete Maßnahmen gegen den Terror ergreifen muss„. Ohne diese werde es „keine Fortschritte“ im Verhältnis beider Seiten geben.

Vor fast genau einem Jahr, am 31. August, waren bei einem Doppelanschlag in Beerschewa 16 Menschen getötet und rund 100 verletzt worden. Die Polizei nahm am Sonntag kurz nach dem Anschlag auf dem Busbahnhof einen Araber unter dem Verdacht fest, den Attentäter zum Tatort gefahren zu haben. Der Mann wurde jedoch nach einem kurzen Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt.

Zunächst bekannte sich keine Extremistengruppen zu dem Anschlag. Sprecher der Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad beschrieben die Tat allerdings als Reaktion auf die jüngsten israelische Militäraktion in Tulkarem sowie zwei tödliche Anschläge jüdischer Extremisten auf Palästinenser und israelische Araber im Zusammenhang mit der Gaza-Räumung. Israelische Medien berichteten, die Polizei gehe davon aus, dass der Attentäter von Beerschewa aus dem südlichen Westjordanland stammt.

In einer in der Nacht zum Samstag verbreitetend Video-Botschaft aus dem Untergrund hatte der als Chef-Bombenbauer der palästinensischen Hamas geltende Mohammed Deif Israel mit neuen Anschlägen gedroht. Darin lehnte Deif das Niederlegen der Waffen entschieden ab. Seine radikal-islamische Bewegung werde den Kampf fortsetzen, bis „alle besetzten palästinensische Gebiete befreit“ seien, sagte der Hamas-Militärchef.

Am Sonntag - gut zwei Wochen vor dem geplanten Abschluss des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen - stimmte das Kabinett von Ministerpräsident Ariel Scharon der Stationierung ägyptischer Truppen an der Grenze zu dem Palästinensergebiet zu. Wie israelische Medien berichteten, unterstützten 18 Regierungsmitglieder den Plan, demzufolge 750 ägyptische Grenzsoldaten den „Philadelphi-Korridor“, den 14 Kilometer langen Grenzabschnitt zwischen dem Gazastreifen und Ägypten, überwachen sollen. Die Stationierung soll noch vor Ende dieses Jahres erfolgen, sagte Verteidigungsminister Schaul Mofaz.

Die israelische Armee begann unterdessen mit der Verlegung jüdischer Gräber aus dem Gazastreifen. Israelische Medien berichteten, in der geräumten Siedlung Newe Dekalim seien die ersten Gräber ausgehoben worden. Die sterblichen Überreste zweier Siedler wurden später in der neuen Ortschaft Nizan nördlich von Aschkelon und in der Grenzstadt Sderot bestattet. Insgesamt sollen 48 Grabstätten verlegt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%