EU-Gegner gewinnen Wahl
Island wählt seine Retter ab

Die Regierung Sigurdardóttir hatte Island nach dem Bankencrash wieder auf Kurs gebracht - und den Bürgern viel zugemutet. Dafür bekommt sie nun die Quittung. Wahlsieger sind die Parteien, die die Krise verursacht hatten.
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Die Isländer haben fünf Jahre nach dem Bankenkollaps ihre Mittelinks-Regierung mit der Halbierung der Stimmenzahl abgewählt. Wie am Sonntagmorgen in Reykjavik mitgeteilt wurde, erreichte das bürgerliche Lager aus Konservativen und Liberalen bei der Wahl vom Vortag mit 51,1 Prozent die absolute Mehrheit. Der voraussichtlich neue Ministerpräsident Bjarni Benediktsson (43) will die von der bisherigen Regierung eingeleiteten Beitrittsverhandlungen mit der EU abbrechen.

Konservative und Liberale waren bis zur isländischen Finanzkrise 2008 nahezu 30 Jahre lang in der Regierung gewesen, häufig in gemeinsamen Koalitionen.

Die Koalition hinter der bisherigen Regierungschefin Jóhanna Sigurdardóttir (70) schaffte nur 23,8 Prozent. Als Grund für die Halbierung der Stimmenzahl für Sozialdemokraten und Linksgrüne gilt Unzufriedenheit unter den 320 000 Bürgern mit der Verteilung der Krisenlasten auf der Atlantikinsel.

Wahlsieger Benediktsson versprach einen Kurswechsel. "Wir bieten einen anderen Weg, einen Weg der zu Wachstum, zu sozialer Sicherheit, mehr Sozialleistungen und mehr Arbeitsplätzen führt" sagte der 43-jährige Ex-Fußballprofi der Nachrichtenagentur Reuters. Seine Partei wolle die Steuern senken und den Lebensstandard erhöhen. Zudem kündigte er harte Verhandlungen mit den ausländischen Gläubigern der zusammengebrochenen Banken an. Diese müssten sich auf erhebliche Abschreibungen einstellen.

Nach einer Liberalisierung des Bankensektors hatte sich die Insel im Nordatlantik mit ihren 320.000 Einwohnern vor zehn Jahren zu einem europäischen Finanzzentrum entwickelt. Die Geldhäuser lockten mit hohen Renditeversprechen vor allem Anleger aus Großbritannien und den Niederlanden an. Doch in der globalen Finanzkrise brach auch der überdimensionierte Bankensektor in Island zusammen.

Die Institute Landsbanki, Kaupthing und Glitnir kollabierten kurz nacheinander und brachten das Land im Oktober 2008 an den Rand der Staatspleite. Mit einem harten Sparkurs, der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) als beispielhaft gewürdigt wurde, gelang es den Sozialdemokraten, das Land aus der Krise zu führen.

Doch Steuererhöhungen und ein nachsichtiger Umgang mit den ausländischen Gläubigern sowie steigende Staatschulden und eine Reihe politischer Schnitzer kosteten sie Popularität.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sie gehören definitiv auch zu dem Volk das sie beschreiben. Kein Mensch braucht die EU, ausser ein paar grosse Konzerne und die Banken. Die Sparprogramme wurden auf dem Rücken der Bürger und zu Gunsten der Banken betrieben. Die Isländer haben sich richtig entschieden und ich hoffe die Deutschen tun das im Herbst auch. Es gibt Alternativen zu Raub, Betrug und Lügen.

  • @ Wolfsfreund,
    in der Art hätte ich auch gern einige Infos mehr und ausführlichere Überlegungen vom Handelsblatt erwartet - manchmal könnte das HB etwas aufgeklärter wirken..!

  • Die evangelisch-lutherische Isländische Staatskirche wird vom Staat unterstützt und geschützt (Art. 62 der Verfassung). 79,18 % der Einwohner gehören der
    Staatskirche an.Ansonsten gibt es noch evangelische
    Freikirchen und 5% Katholiken.
    Insel der Glückseligkeit,keine ständig beleidigten Islamverbände.
    Soll dieses kleine Völkchen,sich selbst versorgen,
    mit allem was nötig ist..In der EU,würde es nur
    gegängelt..Liebend gerne,werden wir da auch mal
    Urlaub machen..

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