EU hält sich mit Bewertung der Affäre zurück
Neue Hoffnung auf Yukos-Einigung

Russlands Börse hat erleichtert auf den Rücktritt von Yukos-Chef Michail Chodorkowskij sowie auf moderate Töne aus dem Kreml reagiert. Damit zeichnet sich nach Ansicht von Händlern ein Kompromiss im Kampf um Russlands größten Ölkonzern ab. Der Moskauer RTS-Index legte um 6 % zu, die Aktie von Yukos um 13 %. Der neue Chef der Kremladministration, Dmitrij Medwedjew, hatte zuvor erklärt, die Staatsanwaltschaft schieße in der Affäre übers Ziel hinaus.

mbr/ebo MOSKAU/BRÜSSEL. Der seit dem 25. Oktober inhaftierte Chodorkowskij legte gestern seinen Posten als Vorstandschef nieder. Er habe zwar in den nächsten Jahren aus Yukos „einen internationalen Energie-Konzern“ formen wollen, verbreitete der 40-Jährige über die Agentur Interfax: „Aber die aktuell eingetretene Lage hindert mich an einer persönlichen Teilnahme daran. Als Unternehmenschef muss ich alles dafür tun, dass die Beschäftigten aus der Schusslinie des Konflikts gegen mich und meine Partner kommen. Deshalb verlasse ich die Gesellschaft.“ Der bisherige Vorsitzende des Yukos-Direktoriums, Simon Kukes, soll offenbar Nachfolger Chodorkowskijs werden. Kukes werde den aus sieben Personen bestehenden neuen Vorstand leiten, hieß es gestern aus Unternehmenskreisen.

Chodorkowskij war wegen Unterschlagung, Betrugs und Steuerhinterziehung in Höhe von 1 Mrd. $ verhaftet worden. Er sei überzeugt, so Chodorkowskij, „dass die hochprofessionelle Mannschaft erfahrener Manager“ die Herausforderungen für den Ölkonzern meistern werde. Der mit einem Vermögen von 8 Mrd. $ reichste Russe will Aufsichtsratschef seiner Stiftung „Offenes Russland“ bleiben.

Beobachter werteten dies als Chodorkowskijs Abgang aus der Wirtschaft und als Kompromissangebot an den Kreml. Russlands Präsident Wladimir Putin habe zuvor „einen engen Vertrauten als Unterhändler zu Chodorkowskij geschickt“, berichtete der einflussreiche Chef des Rates für Nationale Strategie, Stanislaw Belkowskij. Der Emissär habe erreichen sollen, dass der Oligarch seine politischen Ambitionen aufgebe. Damit ist das Schicksal des Yukos-Konzerns wieder offen. Möglicherweise werden auch die von der Staatsanwaltschaft konfiszierten etwa 40 % der Aktien des Unternehmens wieder freigegeben. Der neue Chef von Putins Präsidialadministration, Medwedjew, hatte diese Aktion als „juristisch wenig effektiv“ verurteilt. „Unsere Kollegen“, zielte er auf die Ermittler, „müssen die ökonomischen Folgen ihres Handelns bedenken.“ Damit hatte der Kreml sich erstmals klar gegen die Staatsanwaltschaft gestellt – nicht zuletzt, weil Putin von der Beschlagnahmung der Aktien nicht informiert worden sein soll.

Seite 1:

Neue Hoffnung auf Yukos-Einigung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%