EU hat auch Auswirkung auf Weltwirtschaft
Amerikaner zweifeln an Europas Reformkraft

Die gegenwärtige Krise im EU-Einigungsprozess wird von der Geschäftswelt in den USA als „Ausdruck der wirtschaftlichen Malaise Europas“ gewertet. „Dahinter stecken hohe Arbeitslosigkeit, Wachstumsschwäche und der mangelnde Glaube an die eigene Zukunft“, sagt Gary Litman von der US-Handelskammer in Washington. Mit drei Millionen Mitgliedsunternehmen ist die Kammer der größte Wirtschaftsverband des Landes.

HB WASHINGTON. Jedoch differenzieren die US-Manager zwischen einzelnen Ländern. „Im Gegensatz zu Frankreich und Italien hat Deutschland bei der Arbeitslosenunterstützung und im Rentensystem notwendige Reformen eingeleitet“, betont Litman. Das werde sich in zwei bis drei Jahren auszahlen.

So lange will US-Finanzminister John Snow nicht warten: Er fordert die Europäer direkt auf, ihre Wirtschaftsentwicklung bereits kurzfristig auf Trab zu bringen. „Es ist sowohl für die EU-Bürger als auch für die Weltwirtschaft wichtig, dass Europa sein Wachstums-Potenzial erreicht“, sagte Snow am Dienstag in Brüssel nach einem Treffen mit der EU-Kommission. Für die Amerikaner ist die schwache Nachfrage in der Eurozone eine der Ursachen für die globalen Ungleichgewichte und das massive US-Handelsbilanzdefizit.

Adam Posen vom Institute for International Economics dämpft jedoch die Hoffnungen auf einen schnellen Wachstumsschub. „Nach Ansicht der US-Unternehmer ist das ‚Alte Europa' – der Kern der EU – unfähig, sich der Globalisierung anzupassen.“ Die Unsicherheit und die „anti-kapitalistische Stimmung“ werde sich in den nächsten Jahren negativ auf das amerikanische Investment in der Eurozone auswirken. „Die Aufmerksamkeit wird sich weiter Richtung Osten richten, und das Misstrauen der Ausländer mit Blick auf mögliche Firmen-Fusionen wird zunehmen“, warnt Posen. Auch der National Foreign Trade Council in Washington ist skeptisch: „Die Bremse auf dem Projekt der europäischen Einigung bereitet uns Sorge“, sagt William Reinsch, Chef des Wirtschaftsverbandes. Die fortschreitende Integration des Kontinents sei für beide Seiten des Atlantiks von Vorteil gewesen.

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