EU-Kommission setzt auf ehrgeizige Wachstumsstrategie
Dienstleistungen sollen Europa neue Arbeitsplätze bringen

„Mehr Arbeit durch mehr Wachstum“ – auf diese einfache Formel lässt sich das Konzept bringen, mit dem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die hohe Arbeitslosigkeit in der Europäischen Union bekämpfen will. Portugals früherer Premier hat den Mitgliedstaaten deshalb ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: In den nächsten fünf Jahren soll das Wirtschaftswachstum der EU auf jährlich drei Prozent gesteigert werden.

BERLIN/DÜSSELDORF. Dann, so Barrosos Hoffnung, könnten sechs Millionen Arbeitsplätze entstehen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg: Im vergangenen Jahr lag das Wachstum in der Euro-Zone bei zwei Prozent – die USA kamen auf 4,4 Prozent. Wolfgang Franz, Mitglied des deutschen Sachverständigenrates ist deshalb skeptisch: „Die Ziele sind außerordentlich ehrgeizig“, sagte er dem Handelsblatt. Vor allem in Deutschland sei das Wachstum zu niedrig, um Beschäftigung zu erzeugen. Wenn das Bruttoinlandsprodukt nicht um rund 1,5 Prozent oder mehr steigt, entstehen keine neuen Jobs. Und von dem Drei-Prozent-Ziel der EU war die Bundesrepublik 2004 mit einem realen Wachstum von etwa einem Prozent (bereinigt um den Effekt zusätzlicher Arbeitstage) weit entfernt.

Die Industrie wird nach Einschätzung von Experten als Jobmotor künftig ohnehin ausfallen – vor allem in den Wirtschaftsmächten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. In der deutschen Industrie werde bis zum Jahr 2015 jeder zehnte Arbeitsplatz gestrichen, prognostiziert etwa das Schweizer Forschungsinstitut Prognos. Und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren 150 000 Industriejobs nach Mittel- und Osteuropa abwandern werden. Michael Burda, Arbeitsmarktexperte an der Humboldt-Universität in Berlin, hält diese Entwicklung für unaufhaltbar: „Der Strukturwandel hat sich seit den siebziger Jahren angestaut.“

Die EU-Kommission will staatliche Beihilfen deshalb künftig auf Unternehmen und Wirtschaftszweige mit hohem Wachstumspotenzial konzentrieren. Große Hoffnungen setzt Brüssel dabei auf die Öffnung des europäischen Dienstleistungssektors. Schon heute entstünden dort fast 70 Prozent der Wirtschaftsleistung und Beschäftigung in der Europäischen Union, argumentiert die Kommission.

Doch gerade kleine und mittlere Unternehmen seien vielfältigen Schikanen und bürokratischen Hemmnissen ausgesetzt, wenn sie ihre Dienste im Ausland anbieten wollten. Abhilfe soll die geplante Liberalisierung der europäischen Dienstleistungsmärkte schaffen. Sie sieht vor, dass Dienstleister ihre Leistungen in der gesamten EU zu den Löhnen, Sozialstandards und Qualitätsanforderungen ihres Heimatlandes anbieten können (Herkunftslandprinzip).

Seite 1:

Dienstleistungen sollen Europa neue Arbeitsplätze bringen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%