EU
Krise lässt Schwedens EU-Skepsis schwinden

Traditionell steht Schweden der Europäischen Union skeptisch gegenüber. Doch nun will Regierungschef Fredrik Reinfeldt die Einführung des Euro in Schweden vorantreiben. Umfragen zeigen, dass sich im Land eine vorsichtig positve Haltung zur EU entwickelt hat. Reinfeldt will den Ratsvorsitz auch innenpolitisch nutzen.

STOCKHOLM. Die seit dem 1. Juli laufende halbjährige EU-Ratspräsidentschaft scheint sich für die schwedische Regierung auszuzahlen: Traditionell ist das Land der Europäischen Union gegenüber skeptisch eingestellt, doch in den jüngsten Umfragen erlebt Regierungschef Fredrik Reinfeldt einen kräftigen Aufschwung. Diesen Rückenwind will er für einige heikle Projekte nutzen; vor allem möchte er die Einführung des Euros in Schweden vorantreiben.

Eine Mischung aus Stolz und Leidensdruck hat vielen Schweden die EU ein Stückchen nähergebracht: Stolz, weil sich das kleine Land wieder einmal auf großer Bühne präsentieren kann. Leidensdruck, weil die globale Wirtschaftskrise dem Exportland mächtig zu schaffen macht und immer mehr Schweden einsehen, dass ihr "Nein zum Euro" im Jahr 2003 vielleicht doch nicht ganz so gut war. Immerhin hat die schwedische Krone in den vergangenen zwölf Monaten fast ein Fünftel an Wert gegenüber dem Euro verloren.

Vor diesem Hintergrund herrscht erstmals seit langem eine vorsichtig positive EU-Stimmung im Land. Die Gegner der Gemeinschaftswährung sind nicht mehr in der Mehrheit, die Pro- und Contra-Lager liegen gleichauf. Knapp 60 Prozent der Schweden halten die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft inzwischen für gut, nur noch knapp jeder vierte Bürger will die Europäische Union dagegen verlassen.

Ein Erfolg der schwedischen Ratspräsidentschaft könnte diesen Trend noch verstärken und eine neue Volksabstimmung über den Euro in einigen Jahren möglich machen. Reinfeldt weiß das und wird alles daransetzen, dass kein Sand in das EU-Getriebe gerät. Dabei hat er eine gediegene Agenda vor sich: Der Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte, eine bessere Regulierung der Finanzmärkte, ein neues Klimaabkommen und der nach dem irischen "Nein" ins Stocken geratene EU-Reformvertrag sind Großbaustellen für die schwedische Ratspräsidentschaft. Gleichwohl sieht Reinfeldt die Chance für sein Land, zumindest zeitlich begrenzt "Weltpolitik" gestalten zu können. Wie es scheint, glaubt ein Großteil der Wähler, dass er das Zeug dazu hat. 80 Prozent gaben in einer Umfrage an, dass sie dem Premier und seiner Regierung eine erfolgreiche Ratspräsidentschaft zutrauen.

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