Euro-Krise
EU erwägt Aufstockung des Rettungsschirms

Kaum hat die EU das Rettungspaket 2.0 für Griechenland beschlossen, denken Politiker über eine weitere Aufstockung der Euro-Hilfen nach: Es gibt immer weniger Einzahler - weil weitere Staaten wackeln.

Berlin/BrüsselDie Beschlüsse des Krisengipfels zur Rettung Griechenlands und des Euros sind noch nicht umgesetzt, da wachsen schon die Zweifel, ob der Rettungsfonds EFSF seinen künftigen Aufgaben gewachsen ist - oder ob er nicht mit mehr Geld unterfüttert werden muss. "Das wird bestimmt ein Thema werden", heißt aus der Euro-Gruppe.

Erst im Juni hatten sich die Euro-Staaten dazu durchgerungen, den Fonds für hochverschuldete Mitglieder mit einem effektiven Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro auszustatten. Dazu mussten die Garantien der Länder auf 780 Milliarden Euro wachsen.

Beim jüngsten Gipfel beschlossen die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten dann ein zweites Hilfspaket für Griechenland in Höhe von 109 Milliarden Euro. Zudem soll der EFSF Anleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen und schwächelnden Staaten vorbeugend Kredite einräumen dürfen, um die Märkte zu beruhigen.

Seit Italiens Regierung aber erhebliche Aufschläge für ihre Staatsanleihen akzeptieren musste, wächst die Sorge, das Land könnte seinen Verpflichtungen für das Hilfspaket der Hellenen bald nicht mehr nachkommen. In Kreisen der Euro-Finanzminister weist man das zwar als "Spekulation aus der Gerüchteküche" zurück.

Doch ob der Rettungsfonds ausreicht, wenn nach Griechenland, Irland und Portugal auch größere Länder wie Spanien und Italien um Unterstützung bitten müssten, ist zweifelhaft. Es sei unrealistisch, dass der Fonds vorbeugende Kredite in ausreichender Höhe zur Verfügung stellen könne, heißt im Umfeld des EFSF. Der Kreditbedarf von Italien wird auf rund 700 Milliarden geschätzt, der von Spanien auf 490 Milliarden Euro.

In Berlin will man die jüngsten Sorgen weder im Finanzministerium noch im Kanzleramt offiziell kommentieren. "Jedes Wort über eine weitere Aufstockung sorgt sofort für Unruhe", sagt ein hoher Beamter in der Regierungszentrale. Allerdings haben die Staats- und Regierungschefs nach Informationen des Handelsblatts bei ihrem Krisengipfel am 21. Juli sehr wohl über eine Aufstockung des EFSF diskutiert - wenn auch nur kurz.

Dabei waren sie sich einig, dass man alles tun werde, um die vorgesehene Flexibilisierung des Rettungsfonds gewährleisten zu können, heißt es in Kreisen der Euro-Gruppe. Das schließe eine Aufstockung nicht aus. Über konkrete Zahlen sei aber nicht gesprochen worden. Nach Berechnungen des Centre for European Policy Studies benötigt der EFSF mindestens 1,5 Billionen Euro an Garantien, um neue Attacken der Finanzmärkte gegen die südeuropäischen Problemstaaten abwehren zu können.

Die nächste Bewährungsprobe für den Euro-Raum steht Mitte August an, wenn die Experten von EU, EZB und IWF die Fortschritte beurteilen, die Athen bei der Umsetzung des Spar- und Reformprogramms erzielt haben muss. "Ist man dort nicht im Plan", so ein hoher Beamter der Euro-Gruppe, "geht das ganze Theater von vorne los."

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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