Euro-Krise
EZB will Kreditverbriefungen wiederbeleben

Europas größte Notenbanken wollen den Markt für Kreditverbriefungen ankurbeln. EZB-Chef Mario Draghi sieht darin einen Ansatz, um gegen die niedrige Inflation im Währungsraum vorzugehen.
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LondonEuropas größte Notenbanken stehen einem Pressebericht zufolge kurz vor einer gemeinsamen Initiative zur Belebung von Kreditverbriefungen. Wie die „Financial Times“ (Freitag) berichtete, wollen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) an diesem Freitag einen gemeinsamen Vorstoß präsentieren. Ein Entwurf des Papiers liegt der Zeitung vor.

Die Initiative richtet sich auf forderungsbesicherte Wertpapiere, sogenannte Asset Backed Securities (ABS). Das sind Anleihen, die mit verschiedenen Arten von Kreditforderungen wie Hypotheken, Unternehmens- oder Verbraucherdarlehen abgesichert sein können. Die Papiere sind in der US-Hypothekenkrise stark in Verruf geraten, weil die verwendeten Sicherheiten reihenweise ausgefallen sind und die Anleihen in der Folge massiv an Wert verloren haben.

EZB-Chef Mario Draghi hatte Anfang April erklärt, die Notenbank sähe in einem funktionierenden ABS-Markt einen guten Ansatz, um gegen die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation im Währungsraum vorgehen zu können. Dazu könnten ABS in großem Stil angekauft werden, was einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik entspräche.
Auch andere EZB-Ratsmitglieder hatten sich ähnlich geäußert. „Aus meiner Sicht bevorzuge ich Maßnahmen, die möglichst marktnah sind - das heißt, da würde ich als erste relevante Maßnahme eine Stärkung des ABS-Marktes in Europa sehen,“ sagte das österreichische Ratsmitglied Nowotny diese Woche. Auch EZB-Direktor Mersch ist dafür, ABS aus der Schmuddelecke zu holen. Auch wenn es Probleme mit schlechten Verbriefungen in den USA gegeben habe, dürften derartige Finanzprodukte in Europa nicht verteufelt werden: „Es ist nicht zu spät für einen Kurswechsel: nicht alle Verbriefungen in der EU verdienen das Stigma, das sie in den vergangenen Jahren bekommen haben.“ Verbriefungen galten in der Finanzkrise, die 2007 auf dem US-Immobilienmarkt ausbrach, als eine Art Brandbeschleuniger.

Die EZB versucht schon seit geraumer Zeit, Verbriefungen und dabei vor allem sogenannte ABS-Papiere (Asset Backed Securities) wieder ins Geschäft zu bringen. Mitte 2013 hatte sie deshalb die Anforderungen gesenkt, wenn Banken solche Wertpapiere bei Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank als Sicherheiten verwenden.

Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Euro-Krise: EZB will Kreditverbriefungen wiederbeleben"

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  • Die EZB sollte besser alte Fahrräder kaufen als ABS-Papiere in Umlauf zu bringen. Das Geld würde beim Konsumenten ankommen und wäre das werthaltigere Investment.

  • @Euroklopapier

    Nach W. Buffett, was du nicht kennst,sollst du nicht Kaufen. Und wer nichts dazu Gelernt hat und sich nicht Informiert, der lernt es nie. Aber man kann wie in der Politik immer die andern für seine eigene Dummheit, die Schuld in die Schuhe schieben. Amen

  • Die Banken haben unendlich viele faule Kreditpapiere in die Bad Banks geschoben. Diese müssten alle abgeschrieben werden und der Steuerzahler müsste ein Billionengrab begleichen. Jetzt hat die EZB einen super Plan. Sie kann selber Kreditpapiere kaufen und somit den Preis der wertlosen Papiere anheben. Wenn diese sich etwas erholen und kleine Sparer nichts ahnend von seiner Vertrauensperson auf der Bank Kreditpapiere als Ansparmöglichkeit empfohlen bekommt, können die Bad Banks und die EZB wieder die Kreditpapiere mit weniger Verlust verkaufen. Die Kreditpapiere fallen dann wieder ins bodenlose und so hat man den Schaden auf die blöden Sparer abgewälzt. Ein guter Plan. Aber dieser wird nicht aufgehen. Unsere Aufgabe ist es, die Sparer zu warnen!!!!!!

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