Euro-Krise
Merti soll Merkozy ablösen

Die absehbare Niederlage von Sarkozy in Frankreich wirft ihren Schatten auf die Manager der Euro-Krise. Italiens Premier Monti will sich als neuer Partner von Kanzlerin Merkel positionieren. Dafür fordert er einen Preis.
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MailandBundeskanzlerin Angela Merkel blickt mit Sorge auf den wahrscheinlichen Sieg des Sozialisten François Hollande bei der Präsidentschaftswahl Frankreich, doch Italien will den Wechsel an der Spitze des EU-Schwergewichts für einen großen Coup nutzen. Die beiden Regierungen in Rom und in Berlin arbeiten derzeit an einer spektakulären Aktion, die das deutsch-italienische Verhältnis stärken und Europa retten soll. Das berichtet die italienische Tagezeitung „ La Repubblica“.

Offenbar will sich der EU-Gründerstaat Italien unter der Führung von Premier Mario Monti auf diesem Weg als neuer „Special Partner“ von Deutschland etablieren und Frankreichs Platz einnehmen, sollte das Land Nicolas Sarkozy bei der Stichwahl am 6. Mai den Rücken kehren. Beide Parlamente sollen zeitgleich in beiden Ländern den Fiskalpakt und den ESM-Rettungsschirm ratifizieren, heißt es im dem Medienbericht.

Um das gemeinsame Vorgehen zu zelebrieren, soll der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble im Vorfeld eigens nach Rom reisen und den italienischen Senatoren im zuständigen Ausschuss Frage und Antwort stehen. Umgekehrt werden sich auch der italienische Vize-Finanzminister Vittorio Grilli und der italienische Europa-Minister Enzo Moavero nach Berlin begeben. Bei der endgültigen Abstimmung über die Vorhaben im italienischen Parlament will Merkel dem Bericht zufolge persönlich anwesend sein. Gemeinsam wollen beide Politiker demnach eine Erklärung zur Zukunft der Europäischen Union veröffentlichen. Die Ratifizierungen sollten in Berlin und in Rom bis zum Sommer abgeschlossen sein. Die Bundesregierung wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

Wie „La Repubblica“ schreibt, nutzen die italienischen Politiker die potenzielle Schwächung der harten Haltung Merkels in der Euro-Politik aus. Die Kanzlerin steht innenpolitisch unter Druck - und in Frankreich droht ihr mit der Abwahl von Nicolas Sarkozy, den wichtigsten Partner zu verlieren. In dieser Lage will Monti Merkel demonstrativ zur Seite eilen. Das Führungsduo Merkozy, das bislang den Kurs der EU-Regierungen vorgab, würde durch das neue Team Merti abgelöst.

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  • Merkel und Monti .. gegen Hollande und Cameron und bei Natoeinsätzen ist Merkel dann allein zu haus..

  • Dabei haben wir den Römer nur dann ganz ehrlich auf den Kopf geschlagen, wenn sie wieder mal Gallien, äh Germanien (tschulligung) erobern wollten. Aber zum Schluß haben wir Goten es ihnen richtig heimgezahlt.

  • Genau! Und deshalb ist es besser, wenn sich Merkel die Geschichte Alarichs mit der ständigen Vertragsbrüchigkeit Roms und deren schöde Habsucht einverleibt. Erinnert sei an die römischen Barbaren, die sich im Kolosseum an der Menschentötung ergötzten. Uns aber nennt man bis heute Barbaren.

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