Euro-Krise
Zyperns Bankensektor schrumpft drastisch

Die Vereinbarung der EU mit Zypern zeigt Wirkung. Der Bankensektor im Inselstaat wird kleiner. Zyperns Finanzminister sieht sein Land vor einer „Schocktherapie von enormen Dimensionen“.
  • 4

BerlinZypern hat seinen Bankensektor bereits drastisch verkleinert. Das geht aus der Vereinbarung über das EU-Hilfsprogramm (Memorandum of Understanding) hervor, die dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt. Danach wurde der Finanzsektor halbiert. Dazu beigetragen haben der Verkauf der Tochtergesellschaften in Griechenland, die Abwicklung der Laiki-Bank sowie die Rekapitalisierung der Bank of Cyprus, bei der auch Sparguthaben genutzt wurden. „Durch die Maßnahmen wurde der Bankensektor sofort und erheblich auf 350 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückgefahren“, heißt es in dem Papier.

Die Zahl ist zwar geklammert und könnte noch aktualisiert werden. Der grundsätzliche Befund wurde aber in Troika-Kreisen bestätigt: Eine solch radikale Schrumpfung wie in Zypern habe es noch nicht gegeben, hieß es. Zuletzt hatte der Bankensektor mehr als das Siebenfache von Zyperns Wirtschaftsleistung betragen. Das Geschäft der einheimischen Banken, ohne Töchter von ausländischen Finanzhäusern, entsprach laut der Vereinbarung vor den Maßnahmen noch 550 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Der zyprische Finanzminister Charis Georgiadis äußerte sich kritisch zu den Konditionen des kürzlich geschnürten Rettungspakets für sein Land. Insbesondere die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen über 100.000 Euro, mit der die Bankkunden an der Rekapitalisierung der Institute beteiligt werden, hält Georgiadis für problematisch: „Es war eine bedauerliche Entscheidung, nicht nur für Zypern, das nun den Preis zahlen muss, sondern für Europa insgesamt“, sagte der Finanzminister in einem Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Durch den Einlagen-Haircut sei das Vertrauen der Menschen in die Banken erschüttert worden. „Man wird in Zukunft sehen, ob es eine weiser Beschluss war“, sagte Georgiadis.

Kommentare zu " Euro-Krise: Zyperns Bankensektor schrumpft drastisch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Waren etwa nur die Filialen der Laikibank auf Zypern geschlossen ? Gab es außerhalb Zyperns (z.B. in London) kein Abhebe- und kein Überweisungslimit ? Dann würde es mich auch nicht mehr wundern, wenn in der zyprischen Laikibank - während ihre zyprischen Filialen geschlossen waren - Konten vermögender Kunden auf die griechischen Filialen umgeschlüsselt worden wären, dadurch beim Verkauf dieser griechischen Filialen an griechische Banken an diese übergegangen wären und ihr Inhalt so der potentiellen Insolvenzmasse der zyprischen Laikibank entzogen worden wäre. Das aber würde die Troika nie erfahren, weil die Zyprer ihr Bankgeheimnis ja streng anwenden.

  • Zyperns Finanzminister sieht sein Land vor einer „Schocktherapie von enormen Dimensionen“.
    -------------------------------------------------
    Ja, wer sonst nichts kann als Geldwäsche zu betreiben, Steuerhinterziehern aller Länder eine Heimat zu bieten, und griechische Junk-Papers en masse aufzukaufen, der wird sich wohl eine "Schocktherapie enormer Dimensionen" redlich verdient haben. Darauf genehmige ich mir jetzt einen 12-jährigen Metaxa, iamas!

  • Und das zypriotische Gold steht zum Verkauf.
    Schliesslich will das Inkassobüro, der Schlägertrupp des angelsächsischen Finanzkapitals, die IMF, den Zyprioten noch einmal eins richtig auf die Fresse geben, bevor es verelenden darf.
    Die Laiki Bank in London war ja schliesslich nicht umsonst während der Bankferien geöffnet.Jetzt muss das neue Loch mit dem Gold der Zypern gestopft werden. Der Mob ist mal wieder fein raus. Dank Wolfgang Schäuble und dieser unterirdisch schwachen Kanzlerin. So! Nun aber mal schnell umgeschaltet Richtung Slowenien und Slowakei. Auch da muss der Bankensektor bald dringend gerettet werden. Und auch da gibt es noch was zu holen. Das Gold wird natürlich zu Niedrigstpreis verkauft werden. Heil dem Bankenfaschismus. Nieder mit den Völkern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%