Euro-Rettungsschirm
Eine voreilige Ministerin und 800 Milliarden Euro

Die Brandmauer steht, mit der die Euro-Krise ein und für allemal eingedämmt werden soll. Auf 800 Milliarden Euro weitet die Euro-Zone das Volumen des künftigen Rettungsschirms ESM aus. Das ist auch ein Rechentrick.
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Brüssel/KopenhagenDie Euro-Zone hat den Rettungsschirm zur Abwehr der Schuldenkrise noch weiter aufgespannt. Die Finanzminister der Eurogruppe verständigten sich bei ihrem Treffen in Kopenhagen am Freitag darauf, 800 Milliarden Euro einschließlich aller bereits vergebenen Hilfskredite aufzubringen. Frankreich und Italien hatten ebenso wie die EU-Kommission für ein noch höheres Volumen geworben. Doch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hielt die Erhöhung der Kreditmittel, gegen die sich Deutschland lange gewehrt hatte, in Grenzen.

Nach der Einigung zeigten sich alle zufrieden. EU-Währungskommissar Olli Rehn lobte die „beachtliche Verstärkung“ der Brandmauer zum Schutz der Währungsunion. Die Einigung wurde allerdings von einem Eklat überschattet. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker brach die Sitzung der Minister ab und kippte die Pressekonferenz. Er hatte sich darüber geärgert, dass die österreichische Finanzministerin Maria Fekter den Beschluss eigenmächtig vorab bekannt gegeben hatte. Fekter entschuldigte sich nach dem Vorfall, wie ihr Sprecher erklärte. Wegen des Eklats entschieden die Minister erneut nicht über den frei werdenden Posten im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Personalie sollte in Kopenhagen erledigt werden, um die Fristen für die Ernennungsprozedur bis Ende Mai einhalten zu können. In Kreisen der Euro-Zone hieß es, Frankreich habe darauf bestanden, über die Position nur im Gesamtpaket mit den drei anderen zur Neubesetzung anstehenden Spitzenposten zu entscheiden. Das Personalpaket schließt den künftigen Vorsitz der Eurogruppe ein, den Juncker seit 2005 inne hat. Der Luxemburger hatte früher seinen Rückzug angekündigt. Nun ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble der Favorit.

Mit der Aufstockung der Brandmauer zum Schutz strauchelnder Mitgliedstaaten vollführen die Euro-Länder ein Rechenkunststück: Der ab Mitte 2012 startende Rettungsfonds ESM wird sein volles Kreditvolumen von 500 Milliarden Euro bekommen. Die rund 200 Milliarden Euro an Griechenland, Portugal und Irland vergebenen Kredite aus dem Vorgängerfonds EFSF werden anders als zunächst geplant nicht abgezogen.

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Eine Billion Euro gibt es nicht - aber Dollar

Kommentare zu " Euro-Rettungsschirm: Eine voreilige Ministerin und 800 Milliarden Euro"

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  • @Karsten

    "ch hoffe nur eines und zwar dass alle Bürger der gesamten EU am Tag des grossen BUMMS ihre Abrechnung in der Hand halten und jene aus ihren Häusern auf die Strasse zerren, die das verbockt haben"

    Ich empfehle Ihnen an dieser Stelle einfach die Lekrüre von "Restif de Bretonne, Revolutionsnächte" - Le spectateur nochture, der seine nächtlichen Spaziergänge durch das Paris erzählt, in dem gerade die Revolution ausgebrochen ist.

    Lustigerweise höre ich gerade eine entsprechende Lesung aus dem Jahr 1989 und - wenn ich mir die Sanscullotten vorstelle, haben die meisten ein Namensschild: "KarstenschwertSchwingerBerwanger"

    Sie sollten allgemein mehr lesen statt schreiben, dann wüssten Sie wenigstens, wovon Sie reden und was Sie sich so herbeisehnen.

    Aber - wie ich höre, wird ja in Deutschland der Lynch-Mob gerade wieder eingeführt. Das wäre doch was für Sie, oder?

  • @bazooka

    "Sie haben keinen Nutzen für die Gesellschaft."

    Das kenne ich doch irgendwoher .... hmmmm ... ach ja, ich weiss wieder, die werden "ausgemerzt", die "Nutzlosen", wenn ... ja wann denn wohl ... ach ja, wenn Sie (wieder) an der Macht sind ...

    "Sie sind einfach nur ein Schaf des Systems ohne Moral und Anstand."

    Olala. "Schaf des Systems". Herrje, früher hat man wenigstens noch "Charaktermaske" gesagt oder etwas ähnlich lyrisches. Das kommt davon, wenn man zu viel RTL geguckt hat, da fällt einem halt nix lyrisches mehr ein.

    "Sie sind eine lächerliche Gestalt!"

    Oh, das war Don Quixotte, der Säulenheilige der EuroNeurotischen auch - der war ganz verliebt in romatische Ritterromane und wollte "die gute alte Zeit wieder haben" und kämpfte gegen Windmühlen ... die damals jedenfalls für den Fortschritt standen, versorgten sie doch die hungrigen Spnier mit einem Überfluss an Mehl.

    Hoppla! Dann stimmt das ja gar nicht, daß Flash die "traurige Gestalt" ist - das sind dann doch wohl eher die romantisch EuroNeurotischen.

    Wir EuroPhilen jedenfalls mögen Windmühlen - wahrscheinlich, weil wir im Gegensatz zu den hyperventilierenden PanikMachern Windmühlen, sprich den Euro und die EU mögen.

    "Und das tragische daran ist, dass Ihnen das noch nicht einmal klar geworden ist."

    Tragisch, werter Bazooka, sind eigentlich nur Ihre präpubertären Schulhofmanieren. Ist es so schwer, zu akkzeptieren, daß nicht jeder vernagelt in die Welt guckt, daß nicht jeder eine IDEOLOGIE wie "Weg mit diesem und jenem", dazu eine ohne ANTWORTEN wie etwa "Her mit diesem und jeden", hat?

    Der Hetzer, der dumme Junge, die traurige Gestalt hier jedenfalls ist sicher nicht FlashGordon, das sind offensichtlich _Sie_.

    "Das ist wirklich traurig!"

    Ja, isses. Aber ich habe da kein Mitleid mit Ihnen, Dummheit ist ja keine Erbkrankheit, Sie können Ihren Status als halbwegs zivilisierter Mensch ja durchaus noch steigern.

  • @FlashGordon

    _Das_ werden Sie mögen ;-)

    Enderlein, Henrik, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, Hertie School of Governance

    "Debatte über Rettungsschirm: Ist die Ausweitung der richtige Weg?"

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/03/29/drk_20120329_0748_5847630a.mp3

    Werte euroNeurotiker - Ihr werdet es hassen ...

    Weil, EUCH jedenfalls wird der Himmel tatsächlich auf den Kopf fallen und WIR werden die Fete hinterher mit Euro bezahlen ;-)

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