Euro-Schutzschirm
Irland dementiert Gerüchte um Hilfsantrag

Diese Gerüchte mussten ja irgendwann kommen: Die irische Regierung soll laut Agenturberichten im Gespräch über Finanzhilfen des Euro-Schutzschirms sein. Wenn das stimmt, steht es um die Finanzen schlechter als erwartet. Doch der Finanzminister dementiert umgehend: Man brauche keine Hilfen.
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HB BRÜSSEL/BERLIN. In der Schuldenkrise fragt nach Griechenland nun auch Irland in Brüssel nach Milliarden-Hilfen der EU: Das an den Finanzmärkten in Bedrängnis geratene Land sei bereits im Gespräch über Gelder aus dem 750 Mrd. schweren Euro-Schutzschirm, wie mehrere Vertreter von Euro-Ländern am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters bestätigten. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es die Hilfen auch erhalten werde. Der irische Finanzministerium betonte jedoch, das Land habe keinen Antrag auf Nothilfen gestellt. Auch Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker winkte ab: Das Land habe momentan nicht um Hilfe gebeten. „Und ich habe keinen unmittelbaren Grund, anzunehmen, dass Irland fragen wird“, sagte der Luxemburger Regierungschef.

Irland ist den Spekulationen energisch entgegengetreten. Sein Land sei „gar nicht in einer Situation“, in der es den Euro-Rettungsschirm anrufen müsse, sagte der irische Finanzminister Brian Lenihan dem Radiosender RTE.

Die Aussicht auf EU-Hilfen sorgte dennoch für Entspannung an den Anleihemärkten: Die zuletzt auf immer neue Höchststände gekletterten Risikoaufschläge für irischer Staatsanleihen gingen spürbar zurück. Auch der Euro gab auf 1,3715 Dollar nach. An den Märkten hatten bereits zuvor Spekulationen die Runde gemacht, die Inselrepublik werde bald die EU zur Hilfe rufen. „Der Markt hat den Glauben verloren, dass es Irland ohne den Rettungsschirm schafft“, sagte ein Händler. Das klamme Land könnte Marktgerüchten zufolge rund 80 Mrd. aus dem Rettungsfonds von EU und IWF abrufen.

Befeuert worden waren die Erwartungen der Märkte von einem Bericht der „Irish Times“, wonach es informelle Kontakte zwischen Brüssel, Berlin und anderen europäischen Regierungen zu Hilfen für Irland gegeben habe. Juncker sagte am Freitag, er habe sich jüngst mit mehreren Kollegen „nicht nur über Irland“ unterhalten. Das Finanzministerium in Dublin hatte bis zuletzt betont, das Land sei nicht in einer Zwangslage, in der es um Hilfe bitten müsse.

Irland braucht vor Mitte 2011 kein frisches Geld. Doch in Irland türmen sich die Probleme: Das Land ächzt unter den Folgen der Finanzkrise, die den Bankensektor in Schieflage gebracht hat. Der Staat musste Nothelfer spielen und Mrd. zur Stützung der Banken investieren, während die Wirtschaft auf Talfahrt ging. In der Folge ist das Staatsdefizit explodiert.

Die Schuldenkrise auf der grünen Insel hat die Finanzmärkte daher gehörig aufgeschreckt, die Irland nun in einem Atemzug mit Griechenland nennen. Der Pleitekandidat hatte sich im April in die Arme der EU geflüchtet.

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  • Für iren und Deutsche dank Politik, EU und Merkels Staatskapitalismus: nur noch 'Moral Hazard'

    Moral Hazard ist das ökonomisch/moralisch Perverseste, was eine Gesellschaft sich überhaupt bereiten kann. Nicht diejenigen werden mit den Risiken belastet, die investments (Aktien-, Anleihen-, immobilienkäufe usf.) eingegangen sind und mit deren Verlust rechnen sollten, sondern diejenigen, die nicht den geringsten Einfluß auf dergleichen Geschäfte hatten; nie befragt, nie Vertragspartner, nie darüber informiert, was da läuft. bös-Verträge zu Lasten Dritter, die völlig ahnungslos sind. Kein bGb würde dies hinnehmen; unsere Merkel-Regierung macht es mit uns bürgern zum Automatismus und zur EU-Selbstverständlichkeit.
    Eine Entmündigungsveranstaltung des deutschen bürgers ohnegleichen!!!

    Das ist nicht nur irlands Problem, das ist seit Jahrzehnten die EU-Politik unserer Regierungen, denen wir bürger völlig wurscht sind, nur noch als Zahler und gelegentliches Stimmvieh willkommen.

    Die iren müssen jetzt bluten und die Schulden dafür tragen, die ihre Privatbanken und deren investmentbanker eingegangen sind, damit die banken/das investment schadlos rauskommt. Die iren, tapfere und anständige Menschen, anders als die verkommenen Griechen, werden das nicht mehr lange können. Also werden es die anderen tun müssen, die EU und D immer vorne mit dabei, der deutsche Steuerzahler sowieso.

    Kein 'Moral-Hazard' nur auf regional-irischer Ebene (schon schlimm genug) oder auf griechischer (ganz skandalös dank Schröder/Fischer, die es besser wußten), sondern dank dt. Politik v.a. auf der deutschen Ebene. Der dt. bürger und Steuerzahler ist von seiner wohlmeinenden Politik, der links- und europäisch gewirkten v.a., nicht nur in unbegründbare Zahlungsverpflichtungen genommen worden, sondern muß dafür auch noch die Zukunft seiner Jungen opfern, die das alles bezahlen müssen, wenn diese nicht vorher, was sie wirklich tun sollten, dieses elend dumme Land verlassen.

    Wir werden von konservativen irren regiert, denen die grünroten irren folgen werden. in unserem so schönen Land. Traurig ist das.

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