Eurokrise
Slowenien wird zum neuen Sorgenkind der EU

Lange Zeit galt Slowenien als Musterland. Doch jetzt entwickelt es sich zu einem neuen Problemfall für die Euro-Zone. Die Regierung muss kräftig sparen, um griechische Zustände zu vermeiden.
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Jean-Claude Juncker, Vorsitzender der Eurogruppe und Premier Luxemburgs, hat das kleine Land zu drastischen Sparanstrengungen aufgefordert. Die Regierung in Ljubljana dürfe die Staatsschulden nicht weiter ansteigen lassen, sonst könnte Slowenien ein Schicksal ähnlich wie Griechenland drohen.
Slowenien ist 2007 als erstes osteuropäisches EU-Mitgliedsland der Euro-Zone beigetreten. Das kleine Land mit zwei Millionen Einwohnern galt lange Zeit als wirtschaftlich solide. Doch seit der Finanzkrise wachsen die Staatsschulden von Jahr zu Jahr. Nach der jüngsten Schätzung der EU-Kommission wird sich das Haushaltsdefizit bis zum Jahresende bei 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eingependelt haben. 2010 lag die Quote noch bei 5,6 Prozent. Die Staatsschulden werden im Dezember 42,8 Prozent des BIP ausmachen, ein Jahr zuvor waren es 38 Prozent. Eurogruppen-Chef Juncker kritisiert vor allem, dass die slowenische Bevölkerung in einem Referendum zu Beginn des Monats den Umbau des Rentensystems und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit abgelehnt hatte. "Jetzt muss Slowenien die Probleme anderweitig in den Griff bekommen. Die Zustimmung zur Rentenreform wäre der einfachere Weg gewesen", sagte Juncker nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA. Die Regierung müsse nun "schnelle und brutale" Entscheidungen treffen.

Schon zu Monatsbeginn hatte der slowenische Notenbankchef Marko Kranjec vor einer Ablehnung der Rentenreform gewarnt. Das Land müsse unbedingt etwas gegen die schnell anwachsenden Staatsschulden unternehmen. "Wenn das so weitergeht, findet sich unser Land bald in der Position von Griechenland, Portugal oder Irland wieder", sagte der Notenbankchef.
Slowenien ist zwar mit seinem Schuldenniveau noch ein Stück entfernt vom EU-Durchschnitt, der bei etwa 80 Prozent des BIP liegt. Investoren beunruhigt aber der extrem schnelle Anstieg der slowenischen Staatsschulden in kurzer Zeit. 2005 lag die Quote bei 27 Prozent des BIP, in diesem Jahr wird sie die 40-Prozent-Grenze überschreiten.

Gunter Deuber, Osteuropa-Spezialist bei der Raiffeisen-Bankengruppe in Wien, warnt vor einem zunehmenden Ansehensverlust des kleinen Landes. Bislang habe Slowenien mit seiner offenen Volkswirtschaft immer als ziemlich zuverlässig und solide gegolten. Derzeit würden potenzielle Problemfälle noch von der Griechenland-Krise überdeckt. Slowenien müsse aber aufpassen, internationale Investoren könnten sich bald abwenden. "Slowenien versucht, ein Eigenleben zu führen", beklagt Deuber. Von der früheren Offenheit sei einiges verlorengegangen, das Land schotte sich jetzt immer stärker nach außen ab.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • Das kommt davon wen die zwar tüchtigen aber leider auch sehr naiven Slowenen, es nach einem halben Jahrhundert der kommunistischer Diktatur, bei den Wahlen wieder mal mit einer rein komunistischen Regierung versuchen.
    Apropo konsequenzen der EU-Finanzkrise: Interesant ist das sich als Problemfall in der Euro-Zone nur Mitgliedsländer mit linken Regierungen erweisen.

  • Die EU und der Euro sind die größte kollektive Fehlleistung der letzten Jahrhunderte.
    2013 soll dann noch Kroatien dazukommen. Wenn wir im Herbst von unserem eigenen Bundestag verkauft werden sollten, dann ist es mit Deutschland komplett vorbei.
    Lest auch mal hier nach:
    http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2011/06/28/schulz-und-eu-bonds-frueher-sassen-verbr

  • Ja, die Hauptländer Deutschland und auch Frankreich werden dann von China übernommen. Die kommunistische Merkel stellt ja gerade die Weichen
    Europa hat sich selbst zerstört durch einen falschen Europa-Fanatismus und dann durch Gier der Banken und Großkonzerne
    Es wurde zu einem Europa der Reichen mit Einfühurng des Euro, der ja auch nur für diese Klientel eingeführt wurde.
    Die Zerstörung begann schon Ende der 90iger Jahre unter Kohl, der war extrem Europa-hörig mit seinem Antidemokraten-Freund Juncker, zudem eine ökonomische Null, die Wirtschaft hatte bei ihm leichtes Spiel, und Merkel kennt ja nun gar kein Halten, die Chinesen sind ja gerade bei uns auf Einkaufstour.
    Wenn aber alles zusammen bricht, und das wird kommen, werden genau diese Zerstörer "fassungslos" sein und gar nicht verstehen, dass sie von uns um die Ohren geschlagen bekommen.
    Die Wut wächst, schrieb Lafonaine schon vor Jahren. Und die große alte Dame Gräfin Dönhoff schrieb auch schon vor Jahren ihr Buch "zähmt den Kapitalismus"
    Und was in einigen europ. Ländern abläuft, wird auch zu uns schwappen.
    Wenn die ersten deutschen Urlauber, die ja immr noch rege in Urlaub fliegen indem sie ihren Dispo überziehen, in anderen Länder dieses Jahr übelst beschimpft werden, dann kommt das Erwachen

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