Europa in der Krise
Ex-Fed-Chef warnt vor Kollaps der Euro-Zone

Die Nervosität an den Märkten infolge der Euro-Schuldenkrise setzt die Politik unter Handlungsdruck. Doch sie tut sich schwer, die Probleme zu lösen. Ex-US-Notenbankchef Volcker warnt schon vor einem Scheitern des Euro.
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BerlinDie europäischen Regierungen stünden am Scheideweg. „Wenn sie den Euro behalten wollen, dann müssen sie ihn jetzt stärken", sagte Paul Volcker dem Handelsblatt. Es gebe jetzt nur noch zwei Wege für die Regierungen der Eurostaaten. „Entweder man stärkt in Europa die Haushaltsdisziplin, und man stärkt die Institutionen, die dies überwachen, oder man akzeptiert, dass der Euro auseinander bricht“ sagte er.

Der 83-Jährige war bis Februar oberster Finanzberater von US-Präsident Barack Obama. Von ihm stammt die „Volcker-Regel“, die es als Konsequenz aus der Finanzkrise den US-Banken verbietet, weiter im lukrativen Eigenhandel mit hochspekulativen Produkten tätig zu sein. Volcker war in seiner langen Karriere auch für das US-Finanzministerium und für Banken tätig. Auch heute ist seine Expertise international gefragt.

Wie Europa hätten auch die USA ihr Schuldenproblem nicht im Griff, sagte Volcker. Die Situation sei dort vor allem deshalb gefährlich, weil der Konflikt zwischen den Demokraten und den Republikanern „ideologisch aufgeladen“ sei.  „Ich glaube aber, dass ganz am Ende der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnt  und eine pragmatische Lösung gefunden wird“, ist er überzeugt.

Seine eigentliche Sorge gilt allerdings nach wie vor dem Finanzsystem, das die Ursache für alle Schuldenprobleme weltweit sei. „Die Reformen der G20 sind bis heute unvollständig geblieben“, sagte er. „Auch heute kann keine Regierung den Zusammenbruch eines großen weltweit vernetzten Instituts riskieren. Das ist das zugrunde liegende Problem aller Schuldenkrisen, das wir endlich lösen müssen.“

Er beklagte, dass es den Lobbyisten des Bankensektors immer wieder gelinge, die neuen Regeln aufzuweichen und Regierungen gegeneinander auszuspielen. Das Ergebnis sei „ein Wettbewerb der Laxheit“. Volcker verlangte internationale Bilanz-Standards, eine harte Aufsicht über Wirtschaftsprüfer und Ratingagenturen sowie eine Eingrenzung spekulativer Geschäfte. Dass es nicht möglich sei, zwischen nützlichen Geschäften und reiner Spekulation zu unterscheiden, hält Volcker für eine Ausrede. Aufseher, die so argumentierten, seien als qualifizierte Manager nicht ernst zu nehmen, sagte er.

Die Euro-Regierungen spielen derweil immer radikalere Vorschläge zur Rettung Griechenlands durch. Auch ein harter Schuldenschnitt, begleitet von Schritten, um besonders betroffenen Banken vor einem Absturz zu bewahren, wird inzwischen diskutiert. Allerdings: noch ist man in der Politik und der Finanzwelt im Euro-Währungsraum weit von einem gemeinsamen Nenner entfernt. Weder besteht Einigkeit, wie und in welchem Maße Banken, Versicherungen und Fonds zu neuen Griechenland-Hilfen beitragen sollen, noch ist klar, ob und wann ein Euro-Sondergipfel Nägel mit Köpfen macht.

Kommentare zu " Europa in der Krise: Ex-Fed-Chef warnt vor Kollaps der Euro-Zone"

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  • Nur dass in diesem Fall der Putsch von den Politikern ausgeht.
    D.h., die Politik putscht gegen ihr eigenes Volk
    Denn es wird doch schon längere Zeit nach Gutsherrenart regiert. Merkel hat doch das Parlament völlig ausgehebelt

  • Jetzt eine eigene europäische EUdSSR-Ratingagentur zu gründen, die südeuropäische Staatsanleihen besser beurteilt, würde nichts bringen. Niemand würde sich daran halten.

    Außer die Bad Bank EZB - nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebst es sich völlig ungeniert.

    Wenn wir uns darüber beschweren, dass die Amis ihre Staatsanleihen zu gut bewerten, dann sollten wir nicht den gleichen Fehler machen und eine EUdSSR-Ratingagentur gründen, die PIGS-Anleihen zu gut bewertet.

    Mir müssen mit offenen Karten spielen und die privaten Gläubiger (Banken) müssen die Suppe auslöffeln, die sie sich selbst eingebrockt haben. Strafe muss sein.

    Was ich von den lächerlichen Chaos-Argumenten der Bankenlobby halte, habe ich hier bereits geschrieben.

  • Gibt es auch noch weitere interessante Kommentare zu dem eigentlichen Artikel oder nur noch diese "Privatfehdekommentare" von und gegen user "daytrader". Come on Jungs/Mädels fokussieren wir uns wieder auf das Eigentliche, nämlich den Artikel.....

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