Europäer ringen Amerikanern verbale Unterstützung für den Euro ab
Experten begrüßen G7-Erklärung

Erleichtert haben Währungsexperten auf die Abschlusserklärung der sieben führenden Industrieländer (G7) in Boca Raton reagiert. „Wichtig ist, dass es überhaupt eine substanzielle Aussage zu den Wechselkursen gibt. Denn für Europa wäre es unangenehm gewesen, wenn das Ganze im Streit geendet hätte“, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt Europa bei der Bank of America, dem Handelsblatt.

tor/mak BOCA RATON/FRANKFURT. Die Finanzminister und Notenbankgouverneure der G7 haben sich am Wochenende gemeinsam gegen „überzogene Schwankungen und ungeordnete Veränderungen der Wechselkurse“ ausgesprochen (siehe Kasten). Sie haben damit dem Wunsch der Europäer nach größerer Wechselkursstabilität entsprochen. Außerdem stellt die G7-Erklärung klar, was im Anschluss an den Gipfel in Dubai im September 2003 zu Missverständnissen geführt hatte: dass sich die gewünschte zusätzliche Flexibilität der Wechselkurse nicht auf Europa bezieht.

In Dubai war der Aufruf zu mehr Flexibilität von den Finanzmärkten als Signal verstanden worden, Dollar zu verkaufen und Euro zu kaufen. Die Folge war eine kräftige Aufwertung der europäischen Währung. „Alle können mit der neuen Erklärung zufrieden sein“, sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel. Europa habe bekommen, was es gewollt habe, bestätigte sein italienischer Amtskollege Giulio Tremonti.

Ob die neue G7-Erklärung auch Japan mangelnde Flexibilität der Wechselkurse vorwirft, geht aus dem Text nicht klar hervor. Vor Ort wurde sie als Hinweis interpretiert, dass nicht nur China und andere asiatische Länder, sondern auch Japan mehr Anpassungslasten übernehmen soll. „Man hat die Formulierung so vage gehalten, dass Japan sagen kann: Wir sind nicht betroffen“, vermutet dagegen Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank. Was gemeint sei, bleibe der Interpretation des Marktes überlassen.

Der japanische Finanzminister Sadakazu Tanigaki sagte nach dem G7-Treffen: „Der japanischen Währung mangelt es nicht an Flexibilität.“ Er kündigte an, dass Japan sich weiter gegen eine Aufwertung des Yens stemmen werde. 2003 hat die Bank of Japan mit rund 190 Mrd. $ interveniert, um den Yen zu stützen. Die japanische Währung stieg dennoch um 11 % gegenüber dem Dollar. Der Euro legte ohne Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) jedoch doppelt so stark zu.

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