Europäisches Asylsystem
Experten wollen EU-Flüchtlingspolitik reformieren

Der anhaltende Flüchtlingsstrom stellt die EU vor akute Herausforderungen. Experten fordern eine grundlegende Reform der Flüchtlings- und Asylpolitik. Sie plädieren unter anderem für ein europäisches Bleiberecht.
  • 3

BerlinAngesichts der durch Gewaltkonflikte und Armut anhaltenden Flüchtlingsströme nach Europa hat der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) eine grundlegende Reform der europäischen Flüchtlings- und Asylpolitik gefordert. In seinem am Dienstag in Berlin vorgestellten Jahresgutachten 2015 spricht sich der Rat längerfristig für eine „strukturelle Neuaufstellung“ des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) aus, die von schnell wirkenden flüchtlingspolitischen Sofortmaßnahmen begleitet werden müssten.

Kern der Reformvorschläge für das GEAS ist eine Verbindung des bestehenden sogenannten Dublin-Prinzips mit einer freien Wahl des EU-Ziellandes durch anerkannte Asylbewerber. Das Dublin-Prinzip sieht die Zuständigkeit des Ersteinreisestaates für Aufnahme eines Flüchtlings, dessen Asylverfahren und die Rückführung nicht anerkannter Flüchtlinge vor. Daran soll festgehalten werden.

Hinzu kommen soll nach Vorstellung der SVR-Experten, dass anerkannte Flüchtlinge „in ein EU-Land ihrer Wahl weiterwandern können, in dem sie für sich eine wirtschaftliche Perspektive sehen oder in dem Familienangehörige leben“.

Flüchtlinge erhielten auf diese Weise erstmals EU-weite Freizügigkeitsrechte, sagte die SVR-Vorsitzende Christine Langenfeld. „Die EU würde sich auf ein europäisches Bleiberecht zubewegen.“ Ein solches Verfahren wäre zugleich auch „ein klares Signal europäischer Solidarität und Lastenteilung bei der Aufnahme von Flüchtlingen“. Langenfeld kritisierte, dass derzeit die Mehrheit der EU-Staaten „nicht bereit“ sei, sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen hinreichend zu engagieren. „Das ist nicht hinnehmbar“, sagte die SVR-Vorsitzende.

Seite 1:

Experten wollen EU-Flüchtlingspolitik reformieren

Seite 2:

Kollektive Aufnahmeverfahren sind nötig

Kommentare zu " Europäisches Asylsystem: Experten wollen EU-Flüchtlingspolitik reformieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Experten? Man sehe nur die Unfähigkeit und Vernichtung der Bürger durch Experten! Warum dürfen Experten immer noch ungestraft tätig sein?? Jeder Experten muss ins Gefängnis, lebenslang unter Einzug seines gesamten Vermögens!

  • Dass Flüchtlinge nicht wieder in ein europäisches Land abgeschoben werden, nur weil sie dort zuerst den Boden betreten haben, ist eigentlich eine logische Sache und bedürfte keiner Diskussion!

    ABER ich bin gegen eine Masseneinwanderung nach dem Motto, mir passt es hier nicht mehr, also gehe ich nach Europa! Was soll den aus den Ländern werden, wenn alle jungen Männer auf der Flucht sind????

    Solange in einem Land Krieg herrscht ist das eine andere Sache. Selbstverständlich müssen wir die Syrer ohne wenn und aber in Europa aufnehmen! Diese Menschen sollten frei entscheiden können wohin sie wollen und wo sie Europa betreten.
    ABER sobald der Krieg zu Ende ist, sollten diese Menschen wieder in ihre Heimat zurück!

    Ansonsten bin ich für ein Einwanderungsgesetz das klare Ziele definiert! Diese müssen vor der Aufnahme von den Einwanderwilligen erfüllt sein! Z.B. ohne nachweisbaren Arbeitsplatz keine Einwanderung!

  • Bei selbsternannten Experten, die zudem nie im Leben gearbeitet haben und meist vom Staat oder steuerersparenden Stiftungen ihre Bezüge für die Existenz erhalten, ist keine Objektivität zur Problemlösung zu erwarten. Daß Gelder einfach zufließen und nur noch verteilt werden brauchen und nur noch abgedrehte Ideen geboren werden müssen, ist symptomatisch für solche Zeitgenossinnen. Ursachenbekämpfung in den Heimatländern und deren Publizierung weltweit durch UNO und ähnliche Organisationen, sowie die Ächtung der Schuldigen, müssen im Vordergrund stehen.
    Einfaches Organisieren und Verteilen von Flüchtlingswellen führt, in die Zukunft projiziert, dazu, daß sich das gesamte Elend der Welt in Europa konzentrieren würde. Für die zusätzliche Mrd. Menschen mehr wäre zwar der Mildtätigkeit gedient, aber die jetzt schon vorhandene schlechte Lebensqualität würde in ein unsägliches Chaos überführt.
    Und so etwas aus den Mündern der angeblich hochgebildeten Mitglieder des SVR. Für mich fehlgeleitete und überflüssige Bildung, praxisfremd und in keinster Weise zielgerichtet, nur viele Worte ohne jede Tat. Nach dem Motto, man könnte, man sollte, man müßte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%