Die Europawahl im Fernsehen
„Sigmar Gabriel redet immer noch“

Die Balkendiagramme waren so bunt wie nie. Doch bis bei ARD und ZDF die Komplexität der Wahl deutlich wurde, musste man lange warten. Und bei Günther Jauch gab es eine faustdicke Überraschung. Der Europa-Wahlabend im TV.
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18.00 Uhr
In der Viertelstunde vor den „spannendsten Minuten“, in denen immer erste Hochrechnungen deutscher Wahlen präsentiert werden, haben sich die Statistikfüchse bereits mit allgemeineren Umfragen warmgelaufen. „Das alles Entscheidende" sei immer die persönliche wirtschaftliche Situation, sagt Jörg Schönenborn. Die Hintergründe im Berliner E-Werk, in dem die ARD ihr Wahlstudio eingerichtet hat, leuchten europablau.

Das ZDF hält's auch so – und eine Premiere bereit: Erstmals werden „die Anderen“, die kleinen Parteien, allesamt als Balken in der Grafik aufgeschlüsselt. Eine Folge der Abschaffung der Fünfprozenthürde. „Schlappe für die CDU, Erfolg für die SPD und die AfD“, fasst Schönenborn das deutsche Ergebnis zusammen, während RTL „Exclusiv-Weekend“ unterbricht und Peter Kloeppel die ZDF-Prognose bekanntgibt.

In der ARD antwortet der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder auf die Frage, ob es falsch gewesen sei, dass die CDU im Wahlkampf allein auf Angela Merkel gesetzt hat, dass die Union die Wahl ja gewonnen habe. Kollege Thomas Oppermann von der SPD spricht vom „höchsten Zuwachs aller Zeiten“ für die SPD. Dieser Formulierung wird man noch öfter an diesem Abend begegnen. So etwas hänge ja immer davon ab, „woher man kommt“, weist ARD-Frau Ellen Ehni auf schlechte frühere SPD-Wahlergebnisse hin.

Dann schaltet die ARD in die AfD-Wahlkampfzentrale, wo Spitzenkandidat Bernd Lucke strahlend offenkundig wohl vorbereiteten Sätze vom Frühling spricht: „Manche Blumen blühen auf und manche Blumen verwelken“. Seine AfD nennt er gar „neue Volkspartei“. Da scheine er die Prognose missverstanden zu haben, sagt Schönenborn mit Blick aufs Prozent-Ergebnis. In neuen Grafiken zeigt er die „dramatische Schlappe für die CSU“, zur FDP sagt er: „Da bleibt nicht mehr viel übrig“.

Während nun Bettina Schausten im ZDF Lucke interviewt, steht in der ARD Hans-Olaf Henkel neben Alexander Graf Lambsdorff (FDP). Um 18.15 Uhr sind mehrere Minuten lang Henkel in der ARD und Lucke im ZDF zu sehen - fast als sei die AfD doch eine Volkspartei. Schaustens „Gretchenfrage 'Wie weit rechts stehen Sie eigentlich' beantwortet Lucke routiniert; es sei auch keine Gretchenfrage.

Im ZDF folgt auf Wolfgang Kubicki (FDP) ein weiterer Verlierer: Markus Ferber, CSU-Spitzenkandidat, beantwortet die Frage, ob die CSU mit ihren „zuwanderungskritischen Tönen“ „aufs falsche Pferd gesetzt“ habe, irgendwie dahingehend, dass die AfD niemanden aus Bayern aussichtsreich platziert habe. Dann werfen ARD und ZDF erste Blicke in weitere europäische Länder, nach Griechenland und Österreich. Die FPÖ sei nicht stärkste Partei geworden, nun sähen sich alle als Gewinner, sagt ZDF-Korrespondent Stephan Merseburger. Das sei wie in Deutschland.

In der ARD sagt der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger, dass der Euro bleiben werde: „Das ist wie mit einem Rührei, das sich nicht zurück in die Schale bringen lässt.“

Kommentare zu " Die Europawahl im Fernsehen: „Sigmar Gabriel redet immer noch“"

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  • @ 22.00 Uhr bis 22.45 Uhr
    Schäuble spricht bei Jauch von der „populistischen AfD mit dem demagogischen Argument, Europa sei an unseren Problemen schuld“.

    Nein Herr Schäuble, so einfach können Sie sich aus der Sache nicht rausreden. Es sind Politiker wie Sie, die Europa an die Wand fahren, die die EU-Verträge gebrochen haben und immer wieder brechen, die Deutschland in eine Haftungsfalle führen die unbezahlbar wird. Nur, weil Sie und Ihresgleichen an den Pöstchen und an der Macht kleben wie eine Pattex-Reklame.

  • Die Unzufriedenheit vieler Bürger in Europa hat sich bei dieser Eu Wahl endlich einmal deutlich gezeigt. Was machen
    die etablierten Parteien , sie reagieren wie in der Ukraine.

    Die Bürger verstehen nicht Europa und da kommt gleich die Antwort, wie sollen wir Europa hinter verschlossenen Türen verstehen, wenn die Gutis ihre eigen Politik nicht mal verstehen.

    Beispiel bei Jauch, als di Renzo sagte, dass er zweimal wählen konnte, einmal in Deutschland und einmal im Konsulat für Italien. Das hatte Schäuble so erstaunt, dass er das nicht rechtens fand. Da konnte man nur den Kopf schütteln.

    Wenn die Türkei in der EU wäre, dann könnten Millionen Türken zweimal wählen und das wäre gegen jede Verfassung wenn wir eine hätten.

    Der Lucke wurde noch am Abend mit dämlichen Fragen zu seinem Verhalten zu den anderen Parteien Le Pen etc genervt und man sah schon heute Morgen ,die Gutis fahren alles verlogene auf.

    Deutschland und Europa wird sich ändern , ein so weiter
    wird es nicht geben.

    Die CSU hat an Stimmen verloren weil niemand Seehofer glaubte mit seinem Spruch: Wer betrügt ,der fliegt.

    Die CDU ist Grün , Deutschland als Säkularer Staat abgeschafft und die Grünen feiern einen Verlußt als Erdrutschähnlichen Sieg.

    Fie SPD freut sich über 7 % und ist gerade mal ein paar Prozente vor LE Pen. Das ist auch in Deutschland 2017 möglich wenn ROT/ROT/GRÜN sich abzeichnet.

    Europa ist erwacht!

    Auch martin schulz wird weder von Franzosen noch von engländern gewählt werden und Junckers ist ziemlich ausgebrannt vom guten Leben.


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