Evo Morales
Ein Koka-Bauer auf diplomatischem Parkett

Mit seiner ersten Reise nach Übersee begibt sich der designierte bolivianische Präsident Evo Morales auf neues Terrain. Ohnehin schlägt er im Vergleich zu seiner feurigen Wahlkampfrhetorik gemäßigtere Töne an, seitdem er die Wahl gewann.

HB MADRID. In Spanien, Frankreich, bei der EU, in Südafrika, China und Brasilien will der Koka-Bauer auf diplomatischem Parkett eine gute Figur machen und um Unterstützung für seine Regierung werben - die erste in der 180-jährigen Geschichte Boliviens, die von einem Indio geführt wird. Am Mittwoch traf Morales in Madrid ein.

Sein Sprecher Alex Contreras sagt, während des Wahlkampfs hätten dessen Gegner einen „schmutzigen Krieg“ gegen ihn geführt, um die Wähler zu überzeugen, dass das Land im Fall seiner Wahl ins Chaos stürzen würde. „Diese zehntägige Tour durch sieben Staaten wird zeigen, dass das Gegenteil wahr ist“, sagt Contreras. „Wir wollen zeigen, dass der schmutzige Krieg eine komplette Lüge war und dass es andere Regierungen gibt, die bereit sind, uns zu unterstützen.“

Morales gewann die Präsidentschaftswahl am 18. Dezember mit 54 Prozent und wird das Amt am 22. Januar antreten. Der 46-jährige Aymara-Indio kommt aus armen Verhältnissen. In seiner Jugend hütete er Lamas und baute Kartoffeln im bolivianischen Hochland an, bevor er sich in der Chapare-Region niederließ. Dort hilft der Anbau von Koka vielen Bauern, ihre Familien am Leben zu erhalten.

Der von Morales geführte Kampf gegen ein Verbot des Koka-Anbaus mobilisierte die indianische Mehrheitsbevölkerung. Zusammen mit wachsendem Unmut über die allgemeine Verarmung und die politische Vorherrschaft einer reichen weißen Elite führte dies schließlich zum Wahlsieg Morales', der von der Bewegung zum Sozialismus (MAS) unterstützt wird.

Morales Rhetorik ist sanfter geworden. Wirtschaftsführern sagte er zu, ein für Auslandsinvestitionen förderliches Umfeld und Arbeitsplätze zu schaffen. Seine beiden ersten Auslandsreisen führten ihn aber symbolkräftig in Länder mit linksgerichteten Regierungen: Kuba und Venezuela. Seinen Besuch bei Staatschef Fidel Castro in der vergangenen Woche bezeichnete Morales als „eine Geste der Freundschaft zum kubanischen Volk“. Und in Caracas sagte Morales am Dienstag, sein venezolanischer Kollege Hugo Chavez und er seien sich einig im „Kampf gegen Neoliberalismus und Imperialismus“.

Einen ersten Erfolg kann Morales bereits verbuchen: Chavez sagte Bolivien monatliche Lieferungen von 150 000 Barrel Dieselkraftstoff zu. Venezuela will dafür kein Geld verlangen, sondern im Gegenzug landwirtschaftliche Erzeugnisse von Bolivien erhalten. Ziel der Lieferungen im Wert von 180 Millionen Dollar (151,6 Millionen Euro) sei die Verstärkung der „Integration und Kooperation“ zwischen beiden Staaten. Chavez kündigte weiter an, Morales' künftige Regierung mit 30 Millionen Dollar unterstützen zu wollen.

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