Ex-IWF-Chef
Strauss-Kahn kehrt heim

Der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat die USA verlassen. Nach Einstellung des Prozesses wegen Vergewaltigungsvorwürfen ist er nach Frankreich zurückgekehrt. Auch dort droht ihm aber Ärger.
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ParisAus New York kommend landete der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Strauss-Kahn, am Sonntagmorgen auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Der 62-Jährige lächelte und winkte den wartenden Reportern kurz zu, äußerte sich aber nicht. Begleitet wurde er von seiner Ehefrau Anne Sinclair. Zu seinem Schutz war ein Großaufgebot von Sondereinsatzkräften der Polizei vor Ort.

Strauss-Kahn war im Mai vom Posten des IWF-Direktors zurückgetreten, nachdem ihn eine New Yorker Hotelangestellte der versuchten Vergewaltigung beschuldigt hatte. Das Strafverfahren wurde vor knapp zwei Wochen auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt, da sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers hatte. Vor seiner Festnahme auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy am 14. Mai galt der sozialistische Politiker als aussichtsreichster Kandidat für die Präsidentenwahl in Frankreich im kommenden Jahr.

Nun flog er just von diesem Flughafen zurück nach Frankreich.

In seiner Heimat laufen Vorermittlungen der Justiz gegen den Ex-IWF-Chef wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung einer französischen Schriftstellerin. Tristane Banon beschuldigt Strauss-Kahn ebenfalls der versuchten Vergewaltigung - allerdings liegt der Vorfall bereits acht Jahre zurück. Es steht noch nicht fest, wann die Staatsanwaltschaft entscheidet, ob ein Verfahren eingeleitet wird. In den USA ist der Franzose zudem mit einer Zivilklage der Hotelangestellten konfrontiert, die ihn auf Schadensersatz verklagt hat.

Die Rückkehr des Politikers, der lange als Favorit der Linken bei den Präsidentschaftswahlen galt, sorgt in Frankreich für Aufregung. „Ich bin überzeugt, dass Strauss-Kahn seinem Land in der Zukunft nützlich sein wird“, sagte sein Vertrauter Pierre Moscovici. Er werde seine Kompetenz bald wieder einbringen, fügte er hinzu. Eine Präsidentschaftskandidatur Strauss-Kahns schloss er allerdings aus.

Aus dem Regierungslager gab es eher bissige Kommentare. „Er wird auf immer ein Schmutzfleck für die PS bleiben“, sagte die UMP-Abgeordnete Chantal Brunel. „Die Einstellung des Verfahrens hat die Franzosen schockiert, insbesondere die Frauen. Es ist ein Schritt zurück beim Kampf gegen Gewalt gegen Frauen.“

In Paris wird heftig spekuliert, ob, wann und in welcher Form sich Strauss-Kahn zu den Ereignissen der vergangenen Monate äußern wird. Strauss-Kahn hatte von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht und bislang keine Version des Geschehens geliefert.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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