Ex-Staatssekretär gekidnappt
Chrobog könnte noch heute freikommen

Der Entführungsfall Chrobog dürfte sich deutlich einfacher lösen lassen als der Fall Osthoff: Die jemenitische Regierung gibt sich zuversichtlich, den Ex-Staatssekretär und seine Familie baldigst freizubekommen. Auch das Auswärtige Amt glaubt an eine glimpfliche Lösung.

HB SANAA. Die ARD berichtete am Morgen, die jemenitische Regierung habe dem Studio in Kairo mitgeteilt, der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt Chrobog und seine Familie könnten „noch im Laufe des Mittags“ freigelassen werden. Zuvor hatte die ARD berichtet, der jemenitischen Regierung sei es gelungen, ein Treffen ihres Vermittlers mit Vertretern der Entführer zu arrangieren. Das Gespräch habe unweit jemes Hauses stattgefunden, in dem Chrobog und seine Familie festgehalten werden. Nach früheren Angaben des aus der Region stammenden Parlamentsabgeordneten Nasser Mohammed Badschabal handelt es sich bei dem Vermittler um einen hochrangigen Beamten des jemenitischen Innenministeriums.

Der Krisenstab im Auswärtigen Amts geht nach ARD-Informationen davon aus, dass sich der Fall Chrobog „relativ rasch glimpflich lösen wird“. Denn bei Entführungen im Jemen gehe es um „relativ simpel zu befriedigende Forderungen“. Bewaffnete Stammesmitglieder hatten den 65-jährigen ehemaligen Krisenmanager im Auswärtigen Amt, seine Frau und ihre drei Söhne am Mittwoch in der Provinz Schabwa im Osten des arabischen Landes verschleppt.

Nach Auskunft des stellvertretenden Gouverneurs der Region Schabwa, Nasser Baoum, und des Reiseveranstalters Abu Talib Group (ATG) in Sanaa blieben die Geiseln zunächst unversehrt und wurden nicht bedroht. ATG-Chef Mohammed Abu Talib stand mit der Familie nach eigenen Angaben über das Mobiltelefon ihres ebenfalls entführten Reiseleiters in Kontakt. Er habe mit Chrobog selbst gesprochen, und dieser habe ihm versichert, dass es der Familie gut gehe, sagte Abu Talib.

Neben den Chrobogs und ihrem Reiseleiter wurden auch zwei Fahrer der Gruppe entführt, wie ATG-Tourmanager Mohammed Abdulkarim in Sanaa sagte. Die Provinzregierung in Schabwa teilte mit, die Gruppe sei mit zwei Fahrzeugen unterwegs gewesen, die plötzlich von Bewaffneten umringt worden seien. Die Deutschen seien zum Umsteigen in ein anderes Fahrzeug gezwungen worden.

Einer der Entführer sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon, die Geiseln seien nicht gefährdet. „Ihr Leben ist nicht in Gefahr, und sie sind Gäste unseres Stammes“, erklärte der Entführer vom Stamm der Al-Abdullah. Es solle Druck auf die Regierung in Sanaa ausgeübt werden, fünf Mitglieder des Stammes aus der Haft zu entlassen.

Chrobog ist seit mehreren Monaten im Ruhestand und befindet sich seit Heiligabend auf einer Privatreise im Jemen. Anlass war danach eine Einladung des früheren jemenitischen Botschafters in Deutschland, der heute stellvertretender Außenminister ist.

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