Ex-Staatssekretär mit seiner Familie im Jemen entführt
Krisenstab verhandelt um Freilassung

Der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, ist mit seiner Familie im Jemen entführt worden. Bewaffnete Stammesmitglieder verschleppten den 65-Jährigen, seine Frau und ihre drei Söhne am Mittwoch in der Provinz Schabwa im Osten des arabischen Landes. Ein erfolgreicher Krisenmanager braucht jetzt selbst Hilfe.

HB SANAA. Die Regierung des arabischen Landes bestätigte am Mittwochabend die Geiselnahme, mit der die Kidnapper einen Angehörigen ihres Stammes freipressen wollten. Der Ex- Staatssekretär im Auswärtigen Amt hatte sich in den vergangenen Jahren als umsichtiger Vermittler bei Entführungen deutscher Staatsbürger hervorgetan, zum Beispiel 2003 im Fall der Sahara- Geiseln.

Nach Auskunft des stellvertretenden Gouverneurs der Region Schabwa, Nasser Baoum, und des Reiseveranstalters Abu Talib Group (ATG) in Sanaa blieben die Geiseln zunächst unversehrt und wurden nicht bedroht. Baoum sagte der AP, dass Verhandlungen über die Freilassung angelaufen seien. Baoum wurde von Stammesältesten informiert, die die Familie zuvor besucht hatten.

„Die Geiseln sind in Sicherheit“, sagte einer der Entführer des Stammes Al-Abdullah der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. „Ihr Leben ist nicht in Gefahr und sie sind Gäste unseres Stamms.“ Die Entführer wollen nach Angaben aus jemenitischen Sicherheitskreisen die Freilassung inhaftierter Angehöriger erpressen, die in der Hafenstadt Aden im Gefängnis sitze.

Jemenitische Behörden berichteten, die Geiselnehmer hätten die fünf Reisenden am Mittag zusammen mit ihrem jemenitischen Fahrer aus einem Restaurant an der Straße zwischen der Hafenstadt Aden und der Provinzhauptstadt Schabwa - rund 460 Kilometer östlich von Sanaa - verschleppt. Mit den Chrobogs wurden auch der Reiseleiter und zwei Fahrer entführt, wie ATG-Tourmanager Mohammed Abdulkarim in Sanaa tagesschau.de sagte.

Erst in der vergangenen Woche waren zwei Österreicher im Jemen entführt und wieder freigelassen worden. Stammesangehörige entführen im Jemen relativ häufig Menschen aus westlichen Ländern, um Zugeständnisse von der Regierung zu erlangen. In der Regel werden die Opfer unverletzt wieder freigelassen, aber im Jahr 2000 wurden einige bei einer gewaltsamen Befreiungsaktion getötet.

Die Provinzregierung in Schabwa teilte mit, die Gruppe sei mit zwei Fahrzeugen unterwegs gewesen, die plötzlich von Bewaffneten umringt worden seien. Die Deutschen seien zum Umsteigen in ein anderes Fahrzeug gezwungen worden.

Nach Angaben aus örtlichen Sicherheitskreisen gehören die Entführer zum Stamm al Abdullah bin Dahha. Mehrere Mitglieder seien nach Zusammenstößen mit einem rivalisierenden Stamm verhaftet worden. Zwischen dem Stamm Dahha und der Zentralregierung sei es zum Konflikt gekommen, weil die Dahha sich gegenüber dem rivalisierenden Stamm zurückgesetzt gefühlt hätten.

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