Experte Ansgar Belke
Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist möglich

Die jüngste Herabstufung der Bonität könnte der Euro-Zone einen schweren Schlag versetzt haben. Der Ökonom Ansgar Belke hält nun sogar ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für möglich.
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DüsseldorfNach Einschätzung des Direktors des Instituts für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft (IBES) und Forschungsdirektors für Internationale Makroökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Ansgar Belke, könnte die Euro-Zone infolge der jüngsten S&P-Herabstufungen von neun Euro-Ländern auseinanderbrechen. „Ohne ein top geratetes Frankreich und auch wegen des Downgradings anderer Partnerländer kommen auf Deutschland vermehrte Lasten im Rahmen der EFSF zu. Damit könnte auch eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands drohen“, sagte Belke Handelsblatt Online.

Diese Entwicklung lasse die Märkte zunehmend an der Nachhaltigkeit der Euro-Zone zweifeln. Selbstverstärkung werde von Märkten antizipiert, Aktienkurse fielen, was den Prozess beschleunige. „Folglich erhöht sich hierdurch im Extremfall auch die Wahrscheinlichkeit für das Auseinanderbrechen der Euro-Zone“, warnte der Professor für Makroökonomik an der Universität Duisburg Essen.

Belke schätzt, dass vor allem mit der Herabstufung Frankreichs der Euro-Rettungsschirm EFSF die für die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise nötige Schlagkraft eingebüßt hat. Frankreich stehe für den EFSF mit der mit Abstand zweithöchsten Garantiesumme grade. „Mit dem Verlust des AAA-Ratings ist nun eine tragende Säule des EFSF ins Wanken geraten“, sagte das Mitglied des „Monetary Expert Panels“ im Europa-Parlament.

„Entweder ergibt sich jetzt bald ein Anlass zu einem Ausscheiden Frankreichs als Garantiegeber des EFSF oder Frankreich bleibt aus Furcht vor Reputationsverlusten dabei, was aber zu einem schlechteren Rating des EFSF insgesamt und zu höheren Kosten der Kapitalaufnahme durch den Fonds führen würde. Damit würden alle bisherigen Versuche, die Euro-Schuldenkrise zu beruhigen, konterkariert, den sie beruhen ja zentral auf dem AAA-Rating einer hinreichen großen und wirtschaftlich potenten Zahl an Volkswirtschaften.“

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Unkontrollierbare Marktverwerfungen

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  • So dürfte die Herabstufung der BRD durch die größeren
    Ratingagenturen nicht mehr lange auf sich warten las-
    sen, da Egan-Jones mit seiner Bewertung AA bereits den
    Anfang gemacht hat, denn was hat man auch anderes mit
    der baldigen Alleinsubventionierung der EU Zone durch
    die BRD erwartet?? Muß erst sowas eintreten um sich
    von dem Systemrelevanzmärchen der Banken zu befreien?

  • Leider ist es viel schlimmer - der Euro wird noch lange bestehen bleiben. Die Lösung: für die Problemstaaten wird via EZB auf Dauer und in unbegrenzter Menge Geld (ist ja NUR PAPIER) zur Verfügung stellen. Mit diesem wertlosen Papier-Geld können die Problemstaaten dann REALE Güter in den Exportnationen einkaufen. Mit anderen Worten, die gelieferten Güter werden von uns VERSCHENKT. So wird beispielsweise ein real existierender Mercedes gegen einen beliebig hohen Stapel bedrucktem Papier getauscht. Die Höhe des an den Verkäufer gelieferten Stapels Papiers wird natürlich mit der Zeit immer höher werden und irgendwann wird auch der dümmste merken das er gute reale Produkte gegen immer wertloser werdende Mengen Papier tauscht. Und dann kommt die Stunde der Wahrheit - die zum Gütertausch benötigte Menge bunden Papiers können auch die schnellsten Pressen nicht mehr nachdrucken, die Grösse der Papierschnipsel reicht nicht mehr aus um die Anzahl Nullen (also den angeblichen Wert) aufzudrucken. Und die fleissigen Exporteure stellen auf einmal (natürlich völlig überraschend!) fest, dass sie jahrzehntelang gute Arbeit und reale Produkte gegen eigentlich wertloses Papier getauscht haben!
    Und nun ratet mal, wer am Ende der DOOFE und wer der SCHLAUE ist? Der Fleissige ist der Doofe und der Faule der Schlaue. Also, ich persönlich bin dann lieber bei den Schlauen! Der hat zwar am Ende genau wenig wieder der Doofe hat sich dafür aber jahrzehntelang ein schönen Lenz gemacht - und das kann ihm keiner mehr nehmen.

  • "Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist möglich"

    Na das will ich aber doch auch hoffen!!!

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