Experten erwarten nur für Mittelstand Probleme
EU-Chemiepolitik: Kosten bleiben beherrschbar

Im Streit um die neue Chemikalien-Politik der EU steigen die Chancen für einen Kompromiss. Anlass ist eine von der Industrie in Auftrag gegebene Fallstudie über die Auswirkungen des geplanten Registrierungssystems Reach. Die renommierte Unternehmensberatung KPMG hat herausgefunden, dass die Kosten des neuen Verfahrens beherrschbar sind und keine wichtigen Stoffe vom Markt verschwinden werden. Die gestern in Brüssel veröffentlichte KPMG-Expertise unterscheidet sich fundamental von früheren Studien, die düstere Szenarien über die wirtschaftlichen Konsequenzen der neuen Chemikalienpolitik gezeichnet hatten. „Diese Studie ist ein wichtiger Schritt zu einem raschen Gesetzgebungsverfahren“, kommentierte EU-Industriekommissar Günter Verheugen.

BRÜSSEL. Mit der von der Kommission 2003 vorgelegten Chemikalien-Richtlinie sollen rund 30 000 Stoffe registriert, auf ihre Schädlichkeit geprüft und zugelassen werden. Die Kommission schätzt die Kosten des Verfahrens auf 4 Mrd. Euro. Die Verbände der Industrie haben die Brüsseler Pläne bislang vehement bekämpft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte vor dem Verlust von 1,7 Millionen Arbeitsplätzen allein in Deutschland, dem wichtigsten Chemiestandort Europas. Eine vom BDI in Auftrag gegebene Studie des Beratungsunternehmens Arthur D. Little prognostizierte, dass die verschärfte Prüfung giftiger Substanzen durch die EU Produktionsausfälle von bis zu 20 Prozent zur Folge habe.

Im Lichte der neuen Erkenntnisse erscheinen solche Schlussfolgerungen übertrieben. „Die Verlagerung von Produktionsstätten nur wegen Reach ist unwahrscheinlich“, schreiben die KPMG-Autoren. Einige industrielle Anwender von Chemikalien wie die Automobilhersteller profitieren laut KPMG sogar von Reach. Denn das Registrierungssystem bringe ein besseres Risikomanagement und rationalisiere das Portfolio der im Automobilbau verwendeten Substanzen. Allenfalls für jene Unternehmen, die in großem Umfang mit Handelspartnern außerhalb der EU kooperieren, könne der Druck steigen. Schwierigkeiten kämen auch auf die mittelständischen Betriebe der Chemieindustrie zu. Ihnen fehle die Marktmacht, sich gegen die Großen zu behaupten. Auch die Wahrung sensibler Geschäftsgeheimnisse sei ein Problem.

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