Explosionsserie in Neu Dehli
Erste Festnahmen nach Bombenattentaten

Nach den blutigen Anschlägen in der indischen Hauptstadt Neu Delhi läuft die Suche nach den Hintermännern auf Hochtouren. 60 000 Polizisten seien im Einsatz, sagte der Sprecher der Polizei in Delhi, Ravi Pawar, am Sonntag.

HB NEU DELHI. Bei den drei Bombenexplosionen kurz vor einem bedeutenden Hindu-Fest seien 61 Menschen getötet und 188 weitere verletzt worden. Unter den Opfern seien Kinder und auch Ausländer. Nach ersten Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes in Berlin sind keine Deutschen betroffen.

Indische Medien berichteten, mehrere Menschen seien festgenommen und befragt worden. Premierminister Manmohan Singh sprach von „heimtückischen Terrorakten“ gegen das indische Volk. Die Polizei rief den Notstand aus und schloss nach den Anschlägen vom Samstagabend alle Märkte in der Hauptstadt.

Auch am Sonntag bekannte sich zunächst niemand zu den Anschlägen. In ersten Spekulationen richtete sich der Verdacht auf muslimische Extremistengruppen. Die Regierung machte Terroristen für die Anschlagsserie verantwortlich, vermied aber weitere Anschuldigungen. Unabhängige Terrorexperten erklärten, die Art der Anschläge deute auf die in Pakistan ansässige militante muslimische Organisation Lashkar-e-Tayyaba hin, die in Kaschmir kämpft.

Im Nachbarland Pakistan sprach die Regierung von „terroristischen Explosionen“, die sie scharf verurteile. Zwischen den seit Jahrzehnten verfeindeten Staaten hatte sich jüngst eine leichte Entspannung abgezeichnet. Beide Seiten setzten dabei ein weiteres Zeichen, indem sie vereinbarten, die Grenze in der umstrittenen Region Kaschmir für Überlebende des jüngsten Erdbebens an fünf Stellen zu öffnen.

Ministerpräsident Singh rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Den Tätern gehe es darum, Furcht und Zwietracht vor den Festtagen zu verbreiten: „Wir werden ihre ruchlosen Pläne durchkreuzen“, sagte der Regierungschef. Indien sei gewillt, den „Krieg gegen den Terrorismus“ zu gewinnen.

<ü>Für viele Anschläge in der Vergangenheit in Indien machte die Regierung Extremisten verantwortlich, die aus Pakistan eingedrungen seien. In dem Land gibt es jedoch mehrere schwelende Konflikte. Für zwei Anschläge auf Kinos im Mai wurden militante Angehörige der Religionsgruppe der Sikhs verantwortlich gemacht. US-Behörden hatten ihre Bürger aber auch vor Anschlägen auf US-Einrichtungen in Neu-Delhi gewarnt. Indische Behörden fahnden zudem nach mutmaßlichen Al-Kaida-Mitgliedern in dem Land.

Die Wirkung der drei Explosionen war fatal. An den Anschlagsorten in der Hauptstadt bot sich ein Bild des Schreckens: Überall waren verkohlte Leichen, Blut, Glas und rauchende Trümmer zu sehen. Dazwischen irrten Tausende Überlebende der Anschläge herum, die um das Schicksal ihrer Angehörigen bangten.

Tausende Überlebende liefen nach den Anschlägen verstört und schockiert umher und versuchten zu begreifen, was geschehen war. „Es war ein riesiger Knall“, sagte Sunita, die in der Nähe eines der Märkte lebt, „ich sah dann viele Menschen am Boden liegen. Einem Kind war der Arm abgerissen; bei einem anderen Menschen war der Schädel zerschmettert. Es war schlimm, sehr schlimm.“ „Wir haben schrecklich verkohlte Leichen gesehen, ohne Gliedmaßen“, sagte ein britischer Tourist im indischen Fernsehen. Es war ein schrecklicher Anblick.“

UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich entsetzt über die Anschläge in Neu-Delhi. Besonders erschüttert sei er darüber, dass sich diese „Schandtaten“ kurz vor einem großen hinduistischen Fest ereignet hätten, ließ er über sein Büro mitteilen. Die Hindus feiern am Dienstag Diwali - das Fest der Lichter. Vor der Feier sind die Märkte von vielen Indern bevölkert, die Geschenke für Freunde und Verwandte kaufen. Wenige Tage später feiern die Moslems das Fest des Fastenbrechens, Eid Al-Fitr, zum Abschluss des Ramadans.

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