EZB-Chef in Berlin
Draghi stimmt auf weitere Unterstützung der Kreditmärkte ein

In Deutschland steht EZB-Chef Draghi wegen seines Kurses in der Kritik. Im Kanzleramt bespricht der oberste Notenbanker mit Regierungschefin Merkel die Lage in der Euro-Zone - vertraulich. Draghi hat neue Pläne.
  • 6

Frankfurt/BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) stimmt Investoren auf eine weitere Unterstützung der Kreditmärkte ein. Die EZB habe großes Interesse an einem transparenten, gut funktionierenden und liquiden Markt für Kreditverbriefungen (ABS), sagte Direktoriumsmitglied Yves Mersch laut Redetext am Mittwoch in Barcelona. „ABS sind ein wichtiges Mittel, um unsere geldpolitischen Ziele zu erreichen.“ Möglich seien zum Beispiel gezielte Käufe solcher Papiere am Markt. Knapp eine Woche nach der weiteren Lockerung der Geldpolitik haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EZB-Präsident Mario Draghi die Lage in der Euro-Zone beraten.

Mit weiteren Maßnahmen könnte die Notenbank Geschäftsbanken entlasten, die dann Freiräume für neue Kredite hätten. Draghi hatte den Kauf sogenannter Asset Backed Securities (ABS) am vergangenen Donnerstag ausdrücklich als weitere mögliche Notfallmaßnahme genannt. Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hatte am Dienstag bekräftigt: „Wir bereiten uns auf diese Entscheidung vor.“

Bei dem Gespräch Draghis im Kanzleramt handelte sich um eines seiner regelmäßigen Treffen mit Staats- und Regierungschefs. Sowohl die Notenbank als auch die Bundesregierung wollten sich anschließend nicht äußern. In Deutschland gab es zuletzt Kritik am Kurs Draghis. Merkel hatte sich bisher nicht zu den jüngsten Maßnahmen der Notenbank geäußert. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nannte die lockere Geldpolitik angemessen, warnte aber zugleich, die EZB sollte die Zinsen nicht länger als nötig so niedrig lassen.

Die EZB hatte am Donnerstag vergangener Woche den Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt. Außerdem müssen Banken erstmals 0,10 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, statt Kredite zu vergeben. Mit neuen Milliardenspritzen für Banken wollen die Währungshüter die Kreditvergabe vor allem in den südlichen Euroländern ankurbeln. Zugleich stimmte die EZB Investoren auf eine weitere Unterstützung der Kreditmärkte ein.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Chef in Berlin: Draghi stimmt auf weitere Unterstützung der Kreditmärkte ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Draghi und die Kanzlerin mögen bitte klären, wie die Entschädigung für die Sparer in der Altersvorsorge erfolgen soll. Schließlich haben beide ohne Not die Altersvorsorge der privaten Vorsorger zerstört.

    EZB und Bundesregierung tragen dafür allein die Verantwortung für die Zinsmanipulationen auf dem zinsgetriebenen Geschäft.

  • @mehrdemokratie: "... Merkel und Schäuble schauen untätig zu, wie deutsches Vorsorgevermögen mutwillig und milliardenschwer zerstört wird...."

    Es ist noch viel abstruser und hinterhältiger.

    Draghi, die Verkörperung der von Merkel so häufig betonten "unabhängigen" Notenbank, ist die verlängerte Werkbank von Merkel und Schäuble.
    Oder glaubt hier jemand allen Ernstes, dass Draghi etwas beschließen und tun kann, ohne dass Merkel und Schäuble, als mächtigste Regierende in Europa ihr d'accord geben? Nein, das ist nicht möglich. Wenn Merkel sagen würde, es gibt keine Zinssenkung, dann gibt es keine. Wenn sie sagt, es gibt kein QE, dann gibt es keines.
    Merkel und Schäuble sind die größten und gefährlichsten Feinde des deutschen Steuerzahlers. Sie haben uns belogen, verraten und beraubt.

  • Draghi und die EZB sind der Sargnagel der EU und vor allem Deutschlands. Merkel und Schäuble schauen untätig zu, wie deutsches Vorsorgevermögen mutwillig und milliardenschwer zerstört wird. Lieber ein Ende dieser EU als ein EU-Schreck ohne Ende. Dem deutschen Normalbürger hat das alles nichts gebracht, außer die Enteignungen durch die Einheitswährung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%