EZB-Spitzenbanker
Bini Smaghi würde die Geldpolitik lockern

Im Falle einer stärkeren Konjunkturflaute hält der scheidende EZB-Spitzenbanker Lorenzo Bini Smaghi eine Lockerung der Geldpolitik nach dem Vorbild der US-Notenbank für möglich. Vollzieht die EZB einen Kurswechsel?
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FrankfurtDer scheidende EZB-Spitzenbanker Lorenzo Bini Smaghi hat für den Fall einer Deflation eine deutliche Lockerung der Geldpolitik ins Spiel gebracht. Bini Smaghi deutete an, dass die Europäische Zentralbank bei einer stärkeren Konjunkturflaute ein Programm zum Kauf von Staatsanleihen nach dem Vorbild der US-Notenbank auflegen könnte.

„Ich würde keinen Grund sehen, warum solch ein Instrument, das maßgeschneidert ist für die Besonderheiten der Euro-Zone, nicht verwendet werden sollte“, sagte der Italiener im Interview mit der „Financial Times“ (Freitagausgabe). Dies wäre angemessen in Ländern, die wegen Liquiditätsengpässen in eine Deflation rutschen könnten, sagte Bini Smaghi, der zum Jahresende aus dem Direktorium der EZB ausscheidet.

Notenbanken-Experten rätselten, ob Bini Smaghis Aussagen auf einen Kurswechsel der EZB hindeuten. Denn bisher sträubt sich die Zentralbank der Euro-Zone, wie ihre Pendants in den USA oder Großbritannien der Wirtschaft durch Anwerfen der Notenpresse zu helfen. Die Frankfurter Währungshüter pochen auf ihr Mandat, das nur die Gewährleistung von stabilen Preisen vorsieht. EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark räumte ein, die EZB lerne viel von den Märkten.

„Aber dann müssen die Märkte auch mal von uns lernen und gefälligst registrieren, dass die US-Notenbank und die Wall Street nicht das Modell für Europa gewesen sind, sondern Europa seine eigenen Traditionen und Gesetze hat“, sagte Stark, der ebenfalls zum Jahresende die EZB verlässt, der Zeitung „Die Welt“.

Bini Smaghi betonte, er verstehe die „quasi religiös geführten Diskussionen über die quantitative Lockerung nicht“. Beobachter der Notenbank reagierten überrascht: „Es ist das erste Mal, dass ich solche Kommentare von der EZB höre“, sagte Analyst Christian Schulz von der Beerenberg Bank. Allerdings sei Bini Smaghi Italiener und verlasse schon bald die EZB. „Es gibt andere, die wir stärker beachten sollten“, ergänzte Schulz. Nick Matthews von der Royal Bank of Scotland sagte, Bini Smaghi habe seine Botschaft sicher gut überlegt und wolle in der Debatte für mehr Gleichgewicht sorgen.

Schulz räumte zudem ein, dass die EZB im Falle einer Deflation - also beim Preisverfall auf breiter Front - auf Maßnahmen angewiesen sein könnte, die bisher als Tabu galten. Ähnlich war es beim umstrittenen Kauf von Staatsanleihen, mit dem die EZB hoch verschuldeten Ländern wie Spanien und Italien faktisch Luft bei der Refinanzierung verschafft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Spitzenbanker: Bini Smaghi würde die Geldpolitik lockern"

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  • Nachdem die italienische Regierung ein Sparpapier entworfen hat und die Parlamente dieses Papier abgesegnet haben, soll es jetzt an die Umsetzung gehen. Schon aber meldet sich der Herr Berlusconi, um Herrn Monti zu drohen, ihn vor die Tür zu setzen. "Noch haben wir die Mehrheit, wir werden dann Neuwahlen ansetzten und sie gewinnen", O-Ton Mister Bunga-Bunga.
    Gleichzeitig will Bini Smaghi die HP-Gelddruckmaschine anwerfen, nachdem Draghi schon die Vorstufen gezündet hat. Frau Merkel soll sich überlegen ob nicht bald die Eurorettung zur Farce wird.

  • Natürlich ist das so gewollt, besonders von Altkommunistin Merkel. Nur in einem hat die Merkel wohl Recht. Der Euro ist eine Frage von Krieg und Frieden. Aber nicht so wie die es vielleicht verstehen will. Der Euro hat durchaus das Potential was zu einem Krieg führen könnte. Es sei denn, die aus dem Knoblauchgürtel scheiden freiwillig und unverzüglich aus dem Euro aus.

  • @www.steuerembargo.co.de

    Ich befuerchte, dem geht es nicht um Deflation. Er will eine Deflation bekaempfen, die (leider fuer ihn) nicht vorhanden ist, um Geld ohne Ende drucken zu koennen. Wir haben Inflation und er will eine noch hoehere Inflation um die Entschuldung zu ermoeglichen, bzw. zu beschleunigen. Dem sind die Buerger und deren Wohlstand voellig egal. Dem geht es nur darum die Geldmenge zu erhoehen, um die Inflation noch mehr voranzutreiben.

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