Fed-Pressekonferenz
Pokerface Ben Bernanke

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte gibt es eine Pressekonferenz bei der US-Notenbank. Obwohl Ben Bernanke daraus eine staubtrockene Veranstaltung macht, bringt sie neue Erkenntnisse über den Kurs der Fed.
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Washington/New YorkFür die Verhältnisse in Washington ist die Atmosphäre der ersten Pressekonferenz in der Geschichte der US-Notenbank geradezu intim. Nur eine kleine Gruppe von Journalisten darf dabei sein, als Fed-Chef Ben Bernanke am Mittwoch zum bislang ersten Mal vor die Medien tritt.

Wie Ben Bernanke auf Fragen reagiert, konnte man bisher vor allem bei Anhörungen im Kongress beobachten. Ansonsten ist die US-Zentralbank ein Gebilde, dessen Geschlossenheit manche Fed-Beobachter mit dem Kreml zu Zeiten der Sowjetunion vergleichen. Nach Fed-Sitzungen werden lediglich dürre schriftliche Mitteilungen und erst mit Zeitverzögerung die Sitzungsprotokolle veröffentlicht. Und deren Inhalte werden dann von den Volkswirten rund um den Globus seziert, wie es einst wie einst westlichen Geheimdiensten mit Mitteilungen aus der sowjetischen Machtzentrale taten. Dies soll ab jetzt anders werden. Einmal im Quartal wird Bernanke nun vor die Presse treten, um Rede und Antwort zu stehen. Die Premiere gerät zu einer staubtrockenen Veranstaltung.

Auf die Sekunde genau um 14.15 Uhr betritt der 57-jährige Bernanke den holzgetäfelten Raum im William McChesney Martin Building der Fed in Washington, nur einen Steinwurf vom Weißen Haus entfernt und nur ein paar Minuten vom Kapitol. Bernanke kommt ohne Lächeln hinein, begrüßt die Reporter nur mit einem knappen „Good afternoon“ und „welcome“ und lässt sich an einem einfachen, von den Fahnen der USA und der Federal Reserve flankierten Schreibtisch nieder. Dann liest der Mann mit dem weißen Vollbart sein Eingangsstatement ab.

Nein, es wird keine geldpolitische Wende wie in Europa geben, führt Bernanke aus. Die Zinsen bleiben niedrig für einen längeren Zeitraum. Ja, die Wirtschaft wächst derzeit etwas schwächer. Nein, das ist kein Grund zur Sorge. Ja, die Inflation zieht an. Nein, das ist kein Grund zur Sorge, das ist ein „vorübergehendes“ Phänomen, betet er das Ergebnis der Beratungen der Fed in den vergangenen beiden Tagen herunter. Nüchterner kann eine historische Pressekonferenz kaum beginnen.

Auch bei der anschließenden Fragerunde behält Ben Bernanke sein Pokerface. Nur einmal huscht an diesem besonderen Tag kurz der Anflug eines Lächelns über sein Gesicht. Als ein Reporter wissen will, wie er den „längeren Zeitraum“ definiere, versucht er sich erst um eine Antwort herumzudrücken. Auf den bohrenden Blick des Journalisten verzieht er kurz amüsiert das Gesicht, um endlich einzuräumen, dass man sich bewusst so wage ausdrücke. „Aber man kann sagen, dass dies einen Zeitraum von ein paar Zinsberatungssitzungen umfasst“, wird er dann doch noch etwas konkreter. Demnach würde ein „längerer Zeitraum“ derzeit irgendwann im Herbst enden.

Und immer wieder steht das Doppelmandat der Bank im Mittelpunkt der Fragen, das Mandat, das aus Inflationsbekämpfung einerseits besteht und dem Ziel einer niedrigen Arbeitslosenrate andererseits. In Krisenzeiten wie diesen, mit einem hohen Defizit, rapide wachsenden Ölpreisen und zahlreichen anderen Unsicherheiten ist es ausgesprochen schwierig, beide Ziele miteinander zu vereinbaren. Doch Bernanke tut sein Bestes, um alles Unvereinbarkeiten wegzuwischen. Weiß er doch auch, dass seine Kritiker nur darauf warten, der Bank die Verantwortung für die Arbeitslosenquote wegzunehmen – und damit den Einfluss der Bank erheblich schwächen würden.

Ein wenig spannender wird es, als ein Reporter des US-Fernsehsenders CBS nach der Androhung der Ratingagentur S&P fragt, die letzte Woche laut darüber nachdachte, wegen der hohen Staatsverschuldung die Bonität der USA herabzustufen. Als Bernanke auf diese Frage antwortet, verzieht er das Gesicht für einen Moment und versucht dann krampfhaft souverän zu wirken. „So neu war das nicht“, sagt er. „Wer Zeitung gelesen hat, der wusste, dass es da ein Problem gibt.“ Und dann ganz Finanzdiplomat: „Es ist gut, dass die Politik dieses Problem nun offensiv anspricht“. Nächste Frage.

Nach rund 50 Minuten ist dann pünktlich Schluss. Mit einem kurzen Gruß verlässt Bernanke den Raum so emotionslos, wie er ihn betreten hat.

Insgesamt wahrte der Fed-Chef bei der ersten Pressekonferenz in der 97-jährigen Geschichte der US-Notenbank die professionelle Contenance. Von seinem Standpunkt war es damit eine gelungene Premiere, schließlich setzt er mit seinem Auftritt Maßstäbe für seine ein Mal pro Quartal geplanten Auftritte dieser Art in der Zukunft. Befürchtungen, er könnte sich unter den bohrenden Fragen der Medienvertreter zu unbedachten, die Märkte irritierenden Äußerungen verleiten lassen, erwiesen sich als unbegründet. Beobachter sehen den Auftritt im Nachhinein nicht nur deshalb als gelungen an. Zumindest wisse man nun, was die Fed unter einem „längeren Zeitraum“ verstehe, witzelt Bill Gross, Chefstratege des weltgrößten Bondfonds Pimco. 

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  • Propagandaveranstaltung mit verteilten Rollen, sowas veranstalten Dikatoren, Regime, entdemokartierte und wahrheitsfeindliche Systeme zwecks geistiger Vedunkelung des Klientels. In der historischen Perspektive Anzeichen für den immer brüchiger werdenden berühmenten "absteigenden Ast"...

  • die Shareholders der privaten US Federal Reserve Bank haben jetzt Angst dass ihnen das Recht als Zentralbank entzogen wird.
    Die US Fed ist maechtiger als das Weisse Haus.

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