Finanzierungslücken
Griechenland hofft auf neue Hilfen

Griechenland kommt nicht aus der Krise: Noch immer klaffen riesige Löcher im Haushalt. Doch laut Medienberichten soll das Land auf jeden Fall weitere Hilfen erhalten. Auch die Bundesregierung ist demnach offenbar dafür.
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Düsseldorf/MünchenGriechenland soll Medienberichten zufolge die nächste Hilfstranche von 31 Milliarden Euro selbst bei Verstößen gegen Sparauflagen erhalten. Das berichten die Magazine „Focus“ und „WirtschaftsWoche“ unter Berufung auf namentlich nicht genannte EU-Kreise. Hintergrund sei die Angst vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands mit anschließendem Euro-Austritt. „Die Angst vor einem Dominoeffekt ist zu groß“, sagte ein EU-Diplomat der „WirtschaftsWoche“.

In Brüssel wurden die Berichte nicht bestätigt. Es bleibe bei dem Verfahren, dass zunächst die „Troika“ der internationalen Geldgeber im Oktober ihren Bericht über die Athener Fortschritte bei den Reformen vorlege und dann entschieden werde, hieß es. Zunächst kommen am 8. Oktober die Finanzminister der Eurogruppe wieder zu einem ihrer regelmäßigen Treffen zusammen.

„Der Troika-Bericht wird so ausfallen, dass die Politik das Geld freigeben kann“, zitiert der „Focus“ hingegen aus Kreisen des Europäischen Parlaments. Laut „Wirtschaftswoche“ wird der Report die Auflagen jedoch nicht als komplett erfüllt sehen. In Brüssel und auch in der Bundesregierung sei aber niemand bereit, einen Euro-Austritt Athens mit unabsehbaren Ansteckungseffekten zu riskieren.

Seit Monaten wird damit gerechnet, dass der „Troika“-Bericht Defizite bei der Umsetzung der Reformen als auch bei der Eindämmung des Haushaltsdefizits ans Licht bringt. Als ein Grund gilt allerdings auch der lange Wahlkampf angesichts der beiden Parlamentswahlen im Frühjahr.

Bereits damals brachten Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und wenig später auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) einen zeitlichen Aufschub bei den Athener Reformen ins Spiel. Zwischenzeitlich hatten jedoch vor allem Politiker von CSU und FDP den Eindruck erweckt, als müsse Griechenland wegen mangelnden Sparwillens die Eurozone verlassen. In den vergangenen Wochen waren diese Stimmen aber weitgehend wieder verstummt.

Finanzanalysten halten den tatsächlichen Finanzbedarf Athens ohnehin für schwer kalkulierbar, da sich die Entwicklung der griechischen Wirtschaft in den kommenden Jahren nicht präzise vorhersagen lässt. Hilfsmaßnahmen wie die Rettungspakete und der Athener Schuldenschnitt zulasten privater Gläubiger fußen jedoch auf sehr konkreten Erwartungen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Richöööög. Und das Ergebnis steht schon lange fest. Man wird Griechenland nicht aus dem Euro entlassen. Komme da was auch immer. Und das kostet nun mal. Aber so kann man dem deutschen Steurzahler die Realität halt nicht vermitteln.

    ...hat noch jemand ne Tüte Popkorn oder Draghi-Drops?

  • Nach Adam Riese scheinen die Deutschen wirklich massive Schwierigkeiten mit dem einfachen Dreisatz zu haben. Wenn ALLE musterhaft sparen, gibt es sicher keine Musterschüler. Und was der eine frisst, muß der andere sich vom Munde absparen. Klingt zwar komisch. Is aber so.

  • Ist das etwa die Entspannung an den Märkten, die die EZB sieht? Das Griechenland ohne weitere Hilfe nicht klarkommt?

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