Finanzkrise
IEA warnt vor Krise der Ölversorgung

Die Struktur der weltweiten Energieversorgung soll radikal erneuert werden, fordert die Internationale Energie Agentur (IAE). "Das globale Energiesystem steht am Scheideweg", heißt es im jüngsten World Energy Outlook. Dabei gehe es nicht nur um den Klimaschutz. Die Ölversorgung könnte wegen Kreditkrise knapper werden, warnte die Agentur weiter.

HB BERLIN/LONDON. Die derzeitige Art der Energienutzung könne auf Dauer nicht Bestand haben, und zwar aus Gründen des Klimaschutzes, aber auch, weil sie sozial und wirtschaftlich keine Zukunft habe, heißt es in dem am Mittwoch in London veröffentlichten Bericht.

Die Finanzkrise erhöht nach Einschätzung der Organisation das Risiko einer Versorgungsknappheit beim Erdöl. Die Behörde befürchtet, dass der erschwerte Zugang zu Krediten im Zuge der Krise langfristigen Investitionsentscheidungen hinderlich sein könnte. Nach IEA-Schätzungen muss die Energiebranche in den kommenden 20 Jahren mehr als 26 Billionen Dollar investieren, um eine angemessene Versorgung zu garantieren. Wie die IEA in ihrem am Mittwoch vorgelegten Weltenergieausblick 2008 erklärte, müssen bis 2015 zusätzlich 30 Mio. Barrel (159 Liter) pro Tag (bpd) gefördert werden.

"Es besteht ein wirkliches Risiko, dass unzureichende Investitionen in dieser Zeitspanne eine Ölversorgungskrise auslösen." Zugleich sagte die Agentur bis 2030 einen Anstieg der weltweiten Ölfördermenge auf 106 Mio. bpd von 84 Mio. bpd im vergangenen Jahr voraus. Die größte Erhöhung werden der Schätzung zufolge die Opec-Staaten verzeichnen.

Angesichts der Schwierigkeiten Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen, sagte die IEA für die kommenden sieben Jahre einen erneuten Anstieg des Ölpreises auf durchschnittlich 100 Dollar je Barrel voraus. Darüber hinaus werde sich das Öl noch weiter verteuern. Am Mittwoch mussten Händler für ein Barrel der US-Sorte WTI etwa 58 Dollar zahlen. Noch im Juli hatte das Barrel US-Öl über 147 Dollar gekostet.

"Der Weltenergieausblick legt den Finger in die Wunde und bestätigt meine Sorgen", erklärte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. "Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, Energie künftig effizienter und sparsamer einzusetzen.

Die Experten der IEA, einer Organisation der 30 größten Industrieländer, verweisen vor allem auf die schwindenden Ölreserven, die den wachsenden Bedarf nicht auf Dauer und vor allem nicht preisgünstig decken könnten. Zudem wären katastrophale Folgen für das Weltklima zu befürchten, wenn die Energieversorgung nicht umgebaut werde. Nötig sei eine Abkehr von der auf fossile Brennstoffe gestützten Wirtschaft hin zu mehr erneuerbaren Energien. Als Schlüssel für den Umbau sehen die Experten zudem das Energiesparen, wie es weiter heißt.

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World Energy Outlook 2008

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