Finanzmärkte
Japans Schuldenberg macht Märkte nervös

Japans Regierung kämpft mit einem Sparprogramm um das Vertrauen der ausländischen Anleger. Eine Investition in die Zukunft, denn noch kann sie sich im Inland zu niedrigen Zinsen verschulden.
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TOKIO. Elf Männer sind seit einigen Tagen in Tokio unterwegs – mit der Lizenz zum Sparen. Die „Konferenz zur Erneuerung des Regierens“ hat die Mission, den Staatshaushalt für das kommende Jahr zurechtzustutzen. Ihr Vorsitzender ist Premierminister Yukio Hatoyama persönlich, zu den Mitgliedern zählen Vertreter von Regierung, Unternehmen und sogar Gewerkschaften.

Für die alten Hasen der japanischen Finanzbürokratie war das, was sich gestern in Tokio abspielte, ein Schock: Vor den Augen von Journalisten stimmte die Konferenz über einzelne Posten in Etatvorlagen ab und schlachtete so manche heilige Kuh. Bisher hatten die Spitzenbeamten den Haushalt immer hinter verschlossenen Türen ausgekungelt.

Hatoyamas publikumswirksame Demonstration von Transparenz und Sparsamkeit hat gute Gründe. Er weiß, dass internationale Investoren die finanzielle Stabilität der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft mit wachsender Sorge betrachten. Die Ratingagenturen als Hüter der Kreditwürdigkeit drohen bereits offen mit einer Herabstufung der japanischen Bonität, falls Hatoyamas Spargremium versagen sollte.

„Eine Welle der Sorge um Japan hat die Finanzmärkte erfasst“, sagt Ökonom Martin Schulz vom Fujitsu Research Institute in Tokio. Darauf müssten die Ratingagenturen eingehen – ihre Kunden erwarteten von ihnen eine kritischere Haltung.

Fitch Ratings etwa sieht die magische Grenze bei einer Neuverschuldung von 44 Billionen Yen (330 Mrd. Euro) – das entspricht Hatoyamas Ziel. Wenn die Regierung mehr neue Staatsanleihen ausgibt, wollen die Analysten der Agentur die Bonitäts-note des Landes überprüfen. Das gilt als wahrscheinlich: „Derzeit sieht es nicht so aus, als ob sie unter den 44 Billionen Yen bleiben werden“, sagte David Riley, Vizechef der Sparte für Staatsratings.

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