Firmen sollen das Sagen haben
Berlin und Paris einig über Werftenverbund

Die französische und die deutsche Regierung sind sich einig, dass ein Zusammenschluss des Rüstungskonzerns Thales mit der Kieler HDW-Werft nur einvernehmlich geschehen soll. Frankreichs Präsident Jacques Chirac schloss in seinem Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag in Dresden dem Vernehmen nach aus, dass es eine feindliche Übernahme geben könnte.

ink/cn/gil BERLIN/PARIS. Sowohl Chirac als auch Schröder machten aber deutlich, dass sie eine deutsch- französische Kooperation – ähnlich wie im Luftfahrtbereich mit EADS – wünschen. Wer dabei die industrielle Führerschaft einnehme, sei aber Sache der Unternehmen, hatte Schröder in Dresden betont.

Das klare Votum der beiden Regierungschefs dürfte auch das derzeitige Bieterverfahren für die Kieler HDW-Werft beeinflussen. Zur Zeit führt deren Eigentümer, der US-Finanzinvestor OEP, Verkaufsgespräche mit mehreren möglichen Interessenten. Dazu gehört neben Thales, der staatlichen französischen Werftengruppe DCN und dem US-Rüstungskonzern Northrop auch Thyssen-Krupp. Der deutsche Mischkonzern hat bereits ein Angebot abgegeben. OEP bestritt am Wochenende, dass dies auch bei Thales der Fall sei. Beiden Unternehmen wird nachgesagt, an einer Mehrheitsbeteiligung an HDW interessiert zu sein, was Thyssen-Krupp aber offiziell bestreitet.

Dass Schröder und sein Sprecher Meldungen eines deutsch-französischen Zerwürfnisses widersprachen, hat mehrere Gründe. Zum einen ist dies ein Warnsignal an die Wirtschaftsministerien beider Länder, die Neigung zeigten, sich zu stark zugunsten ihrer nationalen Unternehmen zu engagieren. Sowohl Chirac als auch Schröder sehen ein deutsch-französischen Zusammengehen im Rüstungsbereich aber als generelles strategisches Ziel, das durch einen Streit um die industrielle Führerschaft im Werftenbereich nicht gefährdet werden soll. In Berlin hat man zudem auch noch eine künftige Fusion im Heeresbereich im Auge – und hier müssten die deutsche Unternehmen wegen ihres technologischen und wirtschaftlichen Vorsprungs eindeutig die Führung beanspruchen.

Zweiter Grund ist, ein deutliches Signal an den Verkäufer OEP zu senden. Dieser kann zwar frei über den Käufer entscheiden, weil das von der Bundesregierung geplante Vetorecht bei Beteiligungen ausländischer Firmen an der deutschen Rüstungsindustrie noch auf sich warten lässt. Aber das klare Plädoyer für ein deutsch- französisches Zusammengehen müssen mögliche HDW-Käufer in diesem ausschließlich von staatlichen Aufträgen abhängigen Rüstungsbereich sehr wohl beachten. Dies mag auch erklären, wieso der US-Konzern Northrop nach Informationen des Handelsblattes gar nicht mehr über eine Übernahme von HDW nachdenkt, sondern nur noch eine Minderheitsbeteiligung von 15 bis 20 % ins Auge fasst. Diese Zahl läge unter der von der Bundesregierung geplanten Veto- Schwelle von 25  %.

Thyssen Krupp wartet nach Angaben eines Sprechers nun auf eine Äußerung des Eigentümers OEP, zu welchen Bedingungen die Werft HDW überhaupt verkauft werden soll. Das Angebot von Thyssen-Krupp sieht nach früheren Aussagen von Konzernchef Ekkehard Schulz kein Bargeld vor. Statt dessen sollen die eigenen Werften-Aktivitäten eingebracht werden. Der Thyssen-Krupp-Sprecher betonte, dass sich Thyssen-Krupp und HDW sowohl bei militärischen als auch bei zivilen Schiffen hervorragend ergänzten. Dies sei bei den mitbietenden Franzosen offenbar nicht der Fall. Über die Rolle der Politik äußerte sich der Sprecher zurückhaltend. Die Politik müsse sich äußern, wie sie die Rahmenbedingungen haben wolle.

Eine denkbare Konstruktion für ein deutsch-französisches Zusammengehen wäre, dass erst ThyssenKrupp HDW übernimmt und dann mit Thales zusammen geht. Eine andere wäre, dass Thales und ThyssenKrupp eine gemeinsame Tochter gründen, die dann HDW übernimmt.

Quelle: Handelsblatt

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