Fischer und Struck - Deutschland vor Anschlägen nicht gefeit
Chemiker gesteht Kontakt zu Attentätern von London

Drei der vier Selbstmordattentäter von London haben im vergangenen Jahr Pakistan besucht. Einer von ihnen war fünf Tage lag in einer der umstrittenen Koranschulen, in den Hass gegen Christen und den Westen gepredigt wird. Das bestätigten am Montag in Pakistan die Einwanderungsbehörde am Flughafen Karachi und der Sprecher einer Koranschule (Medrese) in Lahore. Unterdessen räumte ein in Kairo festgenommener Biochemiker aus Leeds nach Medienberichten Kontakte zu den Attentätern ein.

HB LONDON/ISLAMABAD/KAIRO. In London waren sich Regierung und Opposition derweil einig, dass neue Antiterrorgesetze noch in diesem Jahr in Kraft treten könnten. Bei den Bombenexplosionen in der britischen Hauptstadt am 7. Juli wurden nach aktualisierten Angaben mindestens 56 Menschen getötet und 700 verletzt.

Die als Attentäter identifizierten Shehzad Tanweer und Mohammad Siddiq Khan seien gemeinsam am 19. November 2004 über Istanbul nach Karachi geflogen, teilten die pakistanischen Behörden mit. Beide seien weiter nach Lahore gereist, wo Tanweer eine Koranschule besucht haben soll. Der dritte Selbstmordattentäter, Haseeb Hussein, flog nach Angaben der Einwanderungsbehörde im Juli 2004 über Saudi-Arabien nach Pakistan. Was sie dort im Einzelnen unternahmen, ist weitgehend unklar.

Drei der vier Attentäter von London waren britische Staatsbürger pakistanischer Herkunft. Ein Sprecher einer Koranschule bei Lahore hatte am Sonntag eingeräumt, dass Tanweer die Medrese fünf Tage lang besucht hatte. Er wies aber Spekulationen über militärisches Training dort energisch zurück.

Der unter Terrorismusverdacht in Kairo festgenommene 33 Jahre alte Biochemiker Magdi al-Naschar soll unterdessen ausgesagt haben, dass er einem der Attentäter eine Wohnung in Leeds vermittelt habe. Das berichtete die Zeitung „Al Ahram“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Er habe im Verhör eingeräumt, dass er einen der Täter in der Moschee der Universität von Leeds kennen gelernt habe. Al-Naschar bekräftigte jedoch, dass er mit den Attentaten selbst nichts zu tun habe. Der promovierte Biochemiker befindet sich seit mehreren Tagen in Kairo in Untersuchungshaft.

In London sprach Innenminister Charles Clarke mit Vertretern der Opposition hinter verschlossenen Türen über neue Antiterrorgesetze. Die Regierung von Premierminister Tony Blair will künftig beispielsweise schon erste Vorbereitungen auf Anschläge wie das Lesen von Webseiten, auf denen Anleitungen zum Bau von Bomben gegeben werden, unter Strafe stellen. Clarke von der Labour-Partei sowie Vertreter der Konservativen und Liberaldemokraten sagten nach dem ersten von mehreren für diese Woche geplanten Treffen, im Prinzip habe man sich auf die neue Gesetzgebung geeinigt. Sie soll im Oktober ins Parlament eingebracht werden und könnte noch im Dezember in Kraft treten.

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