Flexibler Abzug
Clinton und Gates relativieren Obama

US-Verteidigungsminister Robert Gates relativiert nur einen Tag nach der West-Point-Rede die Worte von Präsident Obama und brüskiert damit seinen Chef: Den Abzugtermin aus Afghanistan halte man flexibel, der soeben verkündete Termin sei nicht unverrückbar. Auch die US-Außenministerin Hillary Clinton untermauerte diese Sichtweise und warnte vor dem Erstarken der Taliban.
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HB WASHINGTON. Der von US-Präsident Barack Obama angepeilte Truppenabzug aus Afghanistan von 2011 an steht nach den Worten von Verteidigungsminister Robert Gates nicht unverrückbar fest. Im Dezember nächsten Jahres werde die am Dienstag von Obama verkündete neue Strategie auf den Prüfstand gestellt, sagte Gates am Mittwoch vor einem Senatsausschuss. Dann erst werde entschieden, ob es beim geplanten Abzugsbeginn im Sommer 2011 bleibe. „Der Präsident hat als Oberbefehlshaber immer die Option, seine Entscheidung anzupassen.“

US-Militärführung warnte derweil eindringlich vor einem Scheitern der neuen Strategie. Gewinne man im Krieg am Hindukusch nicht die Oberhand, drohe eine „Machtübernahme der Taliban“, sagte Gates. Generalstabschef Admiral Michael Mullen betonte während derselben Anhörung, sollten die Taliban wieder in Afghanistan das Sagen haben, werde das Terrornetz El Kaida schnell folgen. Die Taliban hätten bereits in vielen Provinzen Schattenregierungen etabliert. Wer eine Rückkehr El Kaidas ausschließe, „ignoriert die jüngste Vergangenheit und die Beweise, die vor uns liegen“. „Die Kosten eines Scheitern wären erheblich“, betonte der Generalstabschef.

US-Außenministerin Hillary Clinton warnte ebenfalls vor einem weiteren Erstarken radikaler Kräfte am Hindukusch. Sie seien in der Lage „eine gesamt Region ins Chaos zu stürzen“, sagte sie während der Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des Senats. Die Ministerin verteidigte überdies die Entscheidung Obamas, auch ein Abzugsdatum anzupeilen. Dadurch werde der afghanischen Regierung die Dringlichkeit von Reformen deutlich gemacht, sagte sie.

Präsident Obama hatte am Vortag die Entsendung von 30 000 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan bis Sommer nächsten Jahres verkündet, um die Taliban und El Kaida zurückzuschlagen und afghanische Sicherheitskräfte schneller als bisher auszubilden. Die US-Verbündeten wollen sich mit mindestens 5000 Mann an der Truppenaufstockung beteiligen.

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