Flüchtlingskrise
Polizei räumt das Camp von Idomeni

Griechenlands Regierung macht Ernst: Am Dienstagmorgen begannen Sicherheitskräfte, das Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze zu räumen. Dabei soll keine Gewalt angewendet werden, versprechen die Behörden.

Athen/IdomeniDie griechischen Behörden haben am Dienstag um 06.00 Uhr mit der Räumung des Flüchtlingslagers Idomeni vor der Grenze zu Mazedonien begonnen. Die Räumung verlaufe „ruhig und langsam“, die Sicherheitskräfte müssten keine Gewalt anwenden, sagte ein Regierungssprecher. Zwei Stunden nach dem Start hatten die ersten vier Busse das Gelände mit Flüchtlingen an Bord verlassen, wie ein AFP-Reporter beobachtete.

Das wilde Lager ist zum traurigen Sinnbild der Flüchtlingskrise geworden, weil dort wegen der Schließung der Balkanroute ab Ende Februar zwischenzeitlich bis zu 12.000 Menschen festgesessen hatten. Trotz der erbärmlichen Lage weigerten sich die meisten Flüchtlinge, sich in andere Lager im Landesinneren bringen zu lassen, weil sie noch auf eine Chance zur Weiterreise Richtung Nordwesteuropa hofften. Immer wieder kam es zu verzweifelten Versuchen, die Grenze zu überqueren. Bis zum Dienstag harrten noch etwa 8400 Menschen in Idomeni aus, darunter viele Frauen und Kinder.

An der Zwangsräumung waren laut Polizeiangaben mehr als 700 Beamte beteiligt. Binnen zehn Tagen soll das Lager nun vollständig geräumt werden. Die Flüchtlinge sollen zunächst innerhalb Griechenlands verteilt werden, 6000 Aufnahmeplätze stehen für sie bereit. Die meisten Menschen sollen zunächst in neue Auffanglager bei Thessaloniki gebracht werden – etwa 80 Kilometer südlich von Idomeni.

Wie der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, am Vortag der dpa gesagt hatte, werde die Aktion mehrere Tag dauern. „Wir wollen keine Gewalt anwenden. Die Evakuierung wird bis zu zehn Tage lang dauern“, sagte er. Schon am Sonntag und Montag hatten sich jeweils 400 Flüchtlinge bereit erklärt, dorthin gefahren zu werden.

Am Dienstag blieb Journalisten der Zugang zum Lager verwehrt. Vor dem Gelände standen dutzende Polizeitransporter bereit. Auch ein Hubschrauber überflog das Areal.

In ganz Griechenland sind laut Regierung 54.000 Flüchtlinge gestrandet. Allerdings hat sich seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes Anfang April die Lage leicht entspannt. Seitdem nimmt Ankara alle neu auf den griechischen Ägäis-Inseln ankommende Flüchtlinge zurück.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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