Flüchtlingskrise
Slowenien gibt grünes Licht für Einsatz der Armee

Das slowenische Parlament stimmt dem Einsatz der Armee an der Grenze zu. Das Land fühlt sich überfordert – und kritisiert das Verhalten des Nachbarn Kroatien. EU-Kommissionschef Juncker lädt zum nächsten Krisengipfel.

LjubljanaIn der Flüchtlingskrise lädt EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker einige europäische Staats- und Regierungschefs zu einem Spitzentreffen am Sonntag in Brüssel ein. Bei der Zusammenkunft soll es insbesondere um die Westbalkanroute gehen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde erwartet, teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Eingeladen sind auch die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder Österreich, Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Rumänien und Slowenien. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über das Sondertreffen berichtet.

Deutschlands wichtigster EU-Partner Frankreich wird nicht vertreten sein. Die Kommission strebt gemeinsame Schlussfolgerungen an, die direkt in die Tat umgesetzt werden könnten. Kroatien und Slowenien sind derzeit mit einem Ansturm Tausender Menschen konfrontiert.

Das slowenische Parlament gab in der Nacht zu Mittwoch grünes Licht für den Einsatz der Armee an der Grenze, um den großen Andrang von Flüchtlingen aus Kroatien zu bewältigen. Im Parlament in Ljubljana stimmten am frühen Mittwochmorgen bei fünf Gegenstimmen 66 Abgeordnete für eine Notverordnung zum Einsatz der Armee, die die Polizei an der Grenze unterstützen soll. Zu den neuen Kompetenzen zählen unter anderem Patrouillen an der Grenze. Außerdem sollen die Soldaten die Flüchtlinge im Grenzbereich steuern und festhalten können. Bisher durften die Streitkräfte nur logistische Hilfe leisten.

Der slowenische Ministerpräsident Miro Cerar warf Kroatien fehlende Kooperationsbereitschaft in der Flüchtlingskrise vor. „Leider reagieren die kroatischen Behörden nicht auf unsere Anfragen, in denen wir um Informationen und Zusammenarbeit bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms bitten“, sagte Cerar der Zeitung „Die Welt“ (Mittwochsausgabe). Kroatien halte sich auch nicht an Vereinbarungen, was die Grenzübergänge und die Zahl der nach Slowenien kommenden Flüchtlinge angehe.

Allein in den vergangenen zwei Tagen waren mehr als 13.000 Flüchtlinge über die kroatische Grenze nach Slowenien eingereist, nachdem Kroatien damit begonnen hatte, die aus Serbien kommenden Menschen mit Zügen und Bussen zur slowenischen Grenze zu transportieren.

Cerar sagte, sein Land könne einen solchen Flüchtlingsansturm allein nicht bewältigen und fühle sich überfordert. Er verlangte deshalb mehr Solidarität von Europa. „Ich rufe alle EU-Mitgliedstaaten und Institutionen dazu auf, sich an einer gerechteren Verteilung der Lasten zu beteiligen“, sagte er in dem Zeitungsinterview. Derzeit trage Slowenien „einen unverhältnismäßig großen Teil der Bürde“. Niemand könne von einem Zwei-Millionen-Land erwarten, woran bereits die großen EU-Staaten gescheitert seien. „Hier steht die europäische Solidarität auf dem Spiel“, sagte der Regierungschef.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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