Flüchtlingspakt mit der Türkei
Abschiebungen aus Griechenland verzögern sich

Die Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens stockt offenbar, weitere Rückführungen wurden verschoben. Immer mehr Flüchtlinge beantragen Asyl in Griechenland. Das schützt sie zumindest vorübergehend vor einer Abschiebung.

Ankara/BerlinDie geplanten weiteren Abschiebungen von Flüchtlingen aus Griechenland im Rahmen des EU-Türkei-Abkommens verzögern sich. Die griechische Seite habe die nächsten Rückführungen zunächst bis Freitag verschoben, sagte ein hochrangiger Vertreter der türkischen Regierung am Dienstag.

Zuvor hatte es geheißen, dass am Dienstag 200 Migranten von den griechischen Inseln in die Hafenstadt Dikili gebracht werden sollten. Ein Grund ist offenbar, dass die Flüchtlinge zunehmend Asyl in Griechenland beantragen. Dies schützt sie zumindest vorübergehend vor einer Abschiebung.

Die rund 200 Flüchtlinge waren am Montag von den Inseln Lesbos und Chios per Schiff in die Türkei gebracht worden. Nach türkischen Angaben befanden sich darunter 130 Pakistani, 42 Afghanen sowie vereinzelte andere Nationalitäten. Auch zwei Syrer seien darunter gewesen, die um Rückkehr in die Türkei gebeten hätten.

Das Abkommen der 28 Staaten mit der Türkei sieht vor, alle seit dem 20. März in Griechenland illegal eingereisten Flüchtlinge, die dort kein Asyl beantragen, in die Türkei zurückzuschicken. Im Gegenzug will die Europäische Union für jeden abgeschobenen Syrer einen syrischen Flüchtling aus der Türkei auf legalem Wege aufnehmen. In Deutschland trafen am Montag 32 Menschen aus dem Bürgerkriegsland ein, in Finnland elf, weitere 34 wurden laut EU-Kommission am Dienstag in den Niederlanden erwartet.

Mehrere Dutzend Migranten, die bis zur Asylentscheidung in einem Lager auf Lesbos festgehalten werden, protestierten hinter dem Zaun und riefen: „Wir wollen Freiheit.“ Auch Menschenrechts- und Asyl-Organisationen stellen die rechtlichen Grundlagen der Abschiebepraxis infrage.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte dagegen im Parlament in Ankara, Migranten würden durch das Abkommen daran gehindert, den lebensgefährlichen Seeweg einzuschlagen. So werde verhindert, dass die Ägäis in einen Friedhof verwandelt werde.

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