Flugzeugabsturz in Ägypten
Bombe oder keine Bombe?

Rätsel um den Absturz einer russischen Passagiermaschine in Ägypten. Französische Medien berichten über neue Indizien für einen Anschlag, ägyptische Medien verneinen neue Erkenntnisse. Die Regierung sagt gar nichts mehr.

Paris/MoskauEine Woche nach dem Absturz eines russischen Ferienfliegers über der Sinai-Halbinsel will Ägypten keine offiziellen Ermittlungsergebnisse nennen. „Wir werden uns keine Hypothese zu eigen machen, bevor die Untersuchung nicht abgeschlossenen ist und ein umfassender Bericht die Wahrheit aufdecken kann“, sagte Außenminister Samih Schukri am Samstag in Kairo. Es würden keine Szenarien ausgeschlossen. Das Luftfahrtministerium kündigte für Samstag eine Pressekonferenz an.

Internationale Geheimdiensthinweise legten zuletzt nahe, dass der Airbus A321 der sibirischen Airline Kolavia am Samstag vergangener Woche durch einen Sprengsatz an Bord vom Himmel geholt wurde. Alle 224 Menschen an Bord starben. Kairo beschwerte sich am Samstag, dass Erkenntnisse nicht geteilt worden seien.

So stützt auch die Auswertung der Flugschreiber laut französischen Medienberichten die These eines Terroranschlags. Während des Flugs sei klar ein Explosionsgeräusch zu hören, berichtete der Fernsehsender France 2 am Freitag online unter Verweis auf einen Ermittler. Dieser habe erklärt, die Explosion sei nicht die Folge einer Triebwerkspanne.

Die staatliche ägyptische Zeitung „Al-Ahram“ hingegen berichtete unter Verweis auf eine namentlich nicht genannte Quelle am Kairoer Flughafen, die Auswertung von einem der beiden Flugschreiber sei beendet und lasse keine Rückschlüsse auf eine Bombe an Bord zu.

Die Nachrichtenagentur AFP meldete ebenfalls unter Berufung auf eine anonyme Quelle, der Flugdatenrekorder bestätige einen plötzlichen Absturz: „Alles ist normal, völlig normal während des Flugs, und dann plötzlich nichts mehr.“ Zudem wirke es auf Fotos der Trümmerteile so, als seien diese von innen getroffen worden, was eher für die These einer Bombe spreche.

In beiden Fällen wurden die Quellen der Informationen nicht näher genannt. An der Untersuchung des Falls sind auch französische Ermittler beteiligt.

Russland stellte seine Flüge in das beliebte Urlaubsland komplett ein. Bislang hatten britische und westeuropäische Airlines lediglich ihre Verbindungen zum Badeort Scharm el Scheich gestoppt.

Die britische Regierung hält es für wahrscheinlich, dass Terroristen eine Bombe an Bord des Fliegers geschmuggelt haben. Ägypten und Russland mahnten dagegen zu Geduld.

Nach Berichten über internationale Geheimdiensthinweise auf einen Sprengsatz an Bord der Maschine wies der russische Präsident Wladimir Putin die Regierung an, die Flüge zu stoppen. Das hatte zuvor der russische Inlandsgeheimdienst FSB vorgeschlagen. Dies bedeute nicht, dass Russland sich auf einen Terroranschlag als Absturzursache festlege, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau.

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