Flugzeugträger Gerald R. Ford
Trump vor seiner Lieblingskulisse

Ein neuer Flugzeugträger soll die neue Kraft des US-Militärs repräsentieren. Donald Trump nutzte die Gelegenheit, sich truppennah und staatsmännisch zu zeigen. Dabei ist der Träger selbst noch gar nicht funktionsfähig.
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New YorkEs ist 10:25 Uhr Ortszeit, als US-Präsident Donald Trump mit dem Marine-One-Hubschrauber auf dem Deck des Flugzeugträgers „USS Gerald R. Ford“ in Norfolk im Bundestaat Virginia landet. Am Mikrofon zeigt sich Trump als Commander in Chief: „Amerikas Macht steht keinem nach. Und wir werden jeden Tag meiner Amtsführung größer und starker“, ruft er seinen Zuhörern zu. „Wo immer dieses Schiff auftaucht, werden unsere Alliierten in Frieden leben können und unsere Feinde werden in Furcht erzittern.“

Der US-Präsident nimmt den Flugzeugträger in Betrieb und genießt sichtlich die Kulisse. Trump hat eine Vorliebe für martialische Auftritte. Aus seiner Bewunderung für die Militärparade von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris machte er keinen Hehl. Eine Woche später legt er mit seinem eigenen Auftritt nach: Auf dem neuen Flugzeugträger „Gerald R. Ford“ kann sich Donald Trump als Oberkommandeur inszenieren. „Wenn der Kampf kommt, wird er immer in der gleichen Art enden. Wir werden gewinnen, gewinnen, gewinnen.“ Ein Auftritt nach seinem Geschmack.

Das Schiff sei „eine 100 000 Tonnen schwere Botschaft“ an die Welt, sagt Trump und nutzt die Zeremonie auch, um vom US-Kongress eine Bestätigung höherer Militärausgaben zu fordern. Nur so könnten die Vereinigten Staaten „die beste Ausrüstung“ bauen. Bisher hat der der knapp 13 Milliarden Dollar teure Flugzeugträger allerdings mehr mit Verspätungen und Kostenexplosionen von sich reden gemacht.

Zwölf Jahre haben die Arbeiten an dem „Gerald R. Ford“ gedauert. Bis das Schiff wirklich seine Arbeit aufnehmen kann, kann es noch vier Jahre dauern. Das hat eine Prüfung eines Ausschusses im Kongress ergeben, die verschiedene Verbesserungen angemahnt hat. Der Flugzeugträger war ursprünglich im Mai – bereits mit 32 Monaten Verspätung – von Huntington Ingalls Industries ausgeliefert worden. Nun wird die Navy voraussichtlich weitere 780 Millionen Dollar ausgeben müssen. Die Cybersecurity-Inspektion steht ebenso noch aus wie die vom Pentagon vorgeschriebenen Schock-Tests.

Als Kulisse für einen großen Auftritt von Trump reicht es allemal. Der US-Präsident kennt das Schiff bereits. Er war schon im März an Bord und zeigte sich beeindruckt von der schieren Größe des Trägers. Die „Gerald R. Ford“ ist zentraler Teil von Trumps Strategie, die Flotte der amerikanischen Navy auszubauen. Von derzeit 276 Schiffen will er die Zahl auf 350 steigern.

Während die Trump-Regierung in Bereichen wie Gesundheit und Soziales spart, sieht sie milliardenschwere Mehrausgaben für das Verteidigungsbudget der USA vor: Insgesamt 696 Milliarden Dollar sind am vergangenen Wochenende vom Kongress für das kommende Jahr genehmigt worden. Das sind 80 Milliarden Dollar mehr, als in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Auch am Samstag machte Trump klar, dass er mehr in die Ausrüstung der US-Armee investieren will.

Die „Gerald R. Ford“ ist 328 Meter lang und auf dem Flugdeck 77 Meter breit. Der Meeresriese verdrängt 100.000 Tonnen und erreicht eine Geschwindigkeit von 55 Kilometern pro Stunde. Insgesamt 75 Flugzeuge und 4.500 Personen finden auf ihm Platz.

Die „Gerald. R. Ford“ steht für eine neue Flugzeugträger-Generation. Sie verfügt über zwei neuartige Atomreaktoren, neue Antriebsanlagen und ein deutlich größeres Flugdeck, auf dem zusätzlich acht Mehrzweckflugzeuge des Modells F/A-18 Super Hornet Platz finden.

Er soll die Lücke schließen, die mit der Ausmusterung des Flugzeugträgers „Enterprise“ entstanden war. Damit verfügt die US-Marine theoretisch wieder über den vorgesehenen Bestand von elf Trägern. In der Praxis wird sie sich noch ein paar Jahre gedulden müssen. Es werden aber derzeit bereits zwei weitere Einheiten gebaut, die ihren Dienst in den nächsten zehn Jahren aufnehmen sollen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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