Folgen der Offensive
Bericht: 60 Prozent der Gaza-Toten Zivilisten

Zur Jahreswende hatte Israel seine Gaza-Offensive gestartet, nun legte eine israelische Menschenrechtsorganisation einen Untersuchungsbericht vor. Demnach waren fast 60 Prozent der während der Angriffe getöteten Palästinenser Zivilisten.

HB JERUSALEM. Die Organisation Betselem veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht, nach dem 1382 Palästinenser bei dem dreiwöchigen Einsatz ums Leben kamen. Davon seien 325 Kämpfer und 245 Mitglieder der Hamas-Polizeimiliz gewesen. Die meisten von ihnen seien bei Luftangriffen auf Polizeistationen der im Gazastreifen herrschenden Hamas-Organisation getötet worden. Unter den 1382 Getöteten seien zudem 109 Frauen und 320 Kinder und Jugendliche, teilte Betselem mit.

Bei den Zahlen handele es sich um das Ergebnis monatelanger intensiver Untersuchungen, hieß es in dem Bericht. Die israelische Armee warf Betselem jedoch am Mittwoch vor, der Bericht basiere nicht auf Fakten oder genauen Statistiken. Die Organisation stütze sich häufig auf palästinensische Berichte, darunter auch von dem militärischen Hamas-Flügel und der Hamas Hamas-Polizeimiliz. habe jedoch die Zahlen der zivilen Opfer wissentlich verfälscht und höher angegeben, um die internationale Meinung zu beeinflussen.

Betselems Zahlen widersprechen den Veröffentlichungen der israelischen Armee, nach deren Angaben mindestens 60 Prozent der Getöteten Mitglieder der Hamas oder anderer bewaffneter Gruppierungen waren. Nach Informationen der israelischen Armee wurden insgesamt 1166 Palästinenser während der Offensive getötet. Darunter habe sie die Namen von 709 Kämpfern gesammelt. Israelische Soldaten hatten dagegen schon im Juli schwere Vorwürfe gegen die eigene Militärführung erhoben, die sie zu einem brutalen Vorgehen gegen palästinensische Zivilisten ermutigt habe.

Die Zahlen von Betselem unterscheiden sich leicht von denen palästinensischer Menschenrechtsorganisationen in Gaza. Das Palästinensische Zentrum für Menschenrechte (PCHR) nannte eine Zahl von 1417 Opfern, darunter 65 Prozent Zivilisten.

"Diese extrem hohen zivilen Verluste und die schwere Beschädigung zivilen Besitzes machen eine ernsthafte Selbstprüfung der israelischen Gesellschaft notwendig", hieß es in der Stellungnahme von Betselem. Man müsse anerkennen, dass Kampfhandlungen in einer dicht besiedelten Gegend sehr komplex sind.

Die "illegalen und unmoralischen Handlungen" militanter Palästinenserorganisationen, die Raketen auf israelische Zivilisten abfeuerten, könnten jedoch so hohe zivile Verluste bei den Palästinensern nicht rechtfertigen. "Hinter den trockenen Statistiken verbergen sich schockierende persönliche Geschichten. Ganze Familien wurden getötet. Eltern sahen, wie ihre Kinder vor ihren Augen starben. Angehörige sahen zu, wie ihnen nahestehende Personen verbluteten und ganze Nachbarschaften wurden ausgelöscht."

Betselem drängte die israelische Regierung, eine "glaubhafte" Untersuchung der Verstöße während der Offensive in die Wege zu leiten, die unabhängig von der Armee ist. Während des Einsatzes "Gegossenes Blei" wurden 13 Israelis getötet. Ziel der Offensive war es, die ständigen Raketenangriffe militanter Palästinenser auf israelische Grenzorte zu unterbinden. Seit Ende der Kämpfe am 18. Januar ist die Zahl der Raketenangriffe praktisch auf null zurückgegangen.

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