Fragestunde im Unterhaus
K.o. für Gordon Brown

Seit gut einer Woche ist Gordon Brown als britischer Premier im Amt. Während seiner ersten Fragestunde im britischen Unterhaus machte er alles andere als eine gute Figur. Wie ein Schüler stand er an seinem Pult und wusste die Antwort nicht. Ausgerechnet ein Labour Mann war es, der Brown schließlich den Knock-Out-Schlag versetzte.

LONDON. Kaum war die Show vorbei, verlas Laura vom „BBC Politics Programme“ die ersten Zuschauerkritiken im TV. „Gemessen und würdig“, fand einer den Kampf der Gladiatoren. Das Gesamturteil des Publikum lautete: „Unentschieden“. Doch die eingeweihten Ringrichter sahen es anders. Ein Raunen ging durchs Unterhaus, als Premier Gordon Brown, der intellektuelle Koloss, der nun die britische Regierung führt und zehn Jahre lang als Schatzkanzler jeden Schritt choreographierte, jeden Satz studierte und nichts dem Zufall überließ, wie ein Schüler am Pult stand und die Antwort nicht wusste. Schlimmer noch. Er gab es sogar zu. Es sah nach einer K.o.-Niederlage aus.

„Natürlich, natürlich, äh“ sagte Brown auf die Frage von Oppositionschef David Cameron, warum die Muslimorganisation Hizbut-al Tahrir noch nicht verboten sei. Rief sie nicht zum Töten aller Juden auf? Kündigte die Regierung nicht vor zwei Jahren schon ihr Verbot an? „Äh, wir können sie verbieten auf Grundlage der Antiterrorgesetze, natürlich“, fuhr Brown fort, bevor ihm der Stoff ausging. „Äh, ich glaube, äh, ich glaube, der Führer der Opposition vergisst, dass ich erst seit fünf Tagen im Amt bin“.

Sechs Minuten war die Fragestunde gemessen und würdig verlaufen. Nun brüllte es von den Bänken der Konservativen und die Labourparlamentarier saßen stumm hinter ihrem Premier. „Order, Order, lasst den Premier antworten“, rief der Speaker . „Wenn er nur könnte“ murmelten die Tory Abgeordneten.

Tony Blair war einer der überlegensten Parlamentsschauspieler und Debattenboxer – und trug doch zehn Jahre lang seine „Glücksschuhe“ in der Fragestunde. In seiner Abschiedsrede im Parlament gab er zu, dass ihn das flaue Gefühl im Magen nie verließ, wenn er dem Oppositionschef Auge in Auge gegenüber saß, keine drei Meter entfernt, und den roten Ordner voll gelber Buchzeichen auf dem kleinen Kistchen ablegte, das als Rednerpult dient und „despatch box“ heißt.

„Prime Minister’s Questions“ ist das Maß der britischen Demokratie. „Man muss in der Lage sein, auf jedes Detail der Regierungsarbeit zu antworten“, so der konservative Politiker Michael Portillo. Ein Regierungschef oder Redner der Opposition, der hier nicht besteht, verliert über kurz oder lang die Achtung seiner Fraktion – wie zuletzt der konservative Parteichef Iain Duncan Smith. Kein Wunder, dass Brown nervös wirkte. Er hat ja auch nur ein Auge, und kann sich in seinen Spickzetteln nicht so schnell zurechtfinden. Obwohl er sich auf dem Rednerkistchen einen zusätzlichen Turm aus Parlamentsprotokollen aufbauen lässt, um die Papiere näher am Auge zu haben.

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