Frankreich
Islamisten attackieren Korankritiker

Der fundamentalistische Feldzug gegen Islamkritiker hat Frankreich erreicht. Ein Philosophielehrer aus Toulouse wurde zur Zielscheibe von gewaltbereiten religiösen Eiferern, weil er den Koran und den Propheten Mohammed in einem Zeitungsbeitrag attackierte. Der Fall schlägt hohe Wellen sowohl in den Medien als auch in der Regierung.

PARIS. Stein des Anstoßes ist ein Gastbeitrag, der am 19. September in der Tageszeitung „Le Figaro“ erschien. Autor Robert Redeker nimmt darin kein Blatt vor den Mund: „Der Koran ist ein Buch von unerhörter Gewalt“, heißt es in der Gastkolumne. Den Propheten Mohammed beschreibt Redeker als „erbarmungslosen Kriegsführer, Plünderer, Judenvernichter und Polygamisten“ sowie als „Prediger des Hasses“. Redeker, der mehrere philosophische Werke veröffentlicht hat, zieht zudem eine Parallele zwischen dem Kampf der Kulturen und dem Kalten Krieg. Ebenso wie der Kommunismus sei der Islam eine „hegemoniale Ideologie“, die dem Westen mit den Mitteln „Gewalt und Einschüchterung“ übergestülpt werden solle.

Die Reaktion auf diese Philippika folgte postwendend. Bereits am nächsten Tag verurteilte der fundamentalistische Prediger Jussef al-Karadewi den Artikel im arabischen Fernsehsender El Dschasira. In Tunesien und Ägypten wurde die fragliche Ausgabe des „Figaro“ aus dem Verkehr gezogen. Autor Redeker erhielt zahlreiche Morddrohungen, die der französische Geheimdienst DST prüfte und als gefährlich einstufte. Der Philosoph steht deshalb jetzt unter Polizeischutz und muss sich seit zehn Tagen an einem unbekannten Ort verstecken. Seinem Beruf als Lehrer an einem Gymnasium in einem Vorort von Toulouse kann er nicht mehr nachgehen. Die Schule wird aus Angst vor Anschlägen überwacht.

Das politische Echo auf den Vorgang zeigt, dass es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich Unsicherheiten gibt im Umgang mit radikalen Islamisten. Premierminister Dominique de Villepin bezeichnete die „Fatwa“ gegen Redeker zwar als „inakzeptabel“, und Bildungsminister Gilles de Robien erklärte sich „solidarisch“ mit dem Lehrer. Robien ließ es dabei allerdings nicht bewenden. Wenn Lehrer Gastbeiträge für Zeitungen schrieben, würden sie damit nicht nur ihre private Meinung, sondern das staatliche Bildungssystem vertreten, so der Minister. Deshalb müsse sich ein Lehrer stets „vorsichtig und gemäßigt“ äußern, mahnte Robien.

Der so zurechtgewiesene Redeker warf dem Minister daraufhin vor, das demokratische Grundrecht auf freie Meinungsäußerung nicht eindeutig zu verteidigen. „Wenn das Prinzip der Mäßigung angewandt würde, dann gäbe es kein intellektuelles Leben mehr in Frankreich, denn schließlich sind viele unserer Denker Beamte“, sagte Redeker. Er wunderte sich zudem darüber, dass Lehrergewerkschaften sowie andere laizistische Organisationen mit keinem Wort für ihn eingetreten seien.

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